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Advent ist nicht Weihnachten

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"Im Dezember bin ich immer bei der Adventsfeier im Altenheim Marthahaus. Dem Kuratorium des Marthahauses ist es wichtig, dass es Adventsfeier heißt und nicht Weihnachtsfeier. Schließlich ist ja noch nicht Weihnachten."

Wikimedia Commons, GFDLTaufe Jesu durch Johannes den Täufer

Doch: Nicht immer ist drin, was draufsteht. Zwar hängt an der Decke ein Adventskranz, doch ein Weihnachtsbaum steht auch schon da – erleuchtet und geschmückt. Und es wird „O Du fröhliche“ gesungen und noch ein paar internationale Weihnachtslieder, vorzugsweise auf Englisch. Die meisten scheinen es zu mögen; besonders „White Christmas“.

Nun schadet es wahrscheinlich nichts, Weihnachten schon vor Heiligabend zu feiern. Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft tun das. Freilich gerät dabei das Besondere der Adventszeit schnell aus dem Blick. Die Adventszeit ist ja nicht einfach eine Vorweihnachtszeit, sondern hat eine ganz eigene Botschaft – so wie andere Zeiten des Kirchenjahres auch.

Diese Botschaft soll in den Wochen vor Weihnachten besonders bedacht werden – aber sie gilt natürlich das ganze Jahr über. Daher ist sie an Weihnachten nicht erledigt, sondern hat über die Adventszeit hinaus Bestand. So wie ja auch der Tod und die Auferstehung Jesu mit Karfreitag und Ostern nicht erledigt sind, sondern ihre grundlegende Bedeutung für den christlichen Glauben durch die Zeit hindurch behalten.

Der Sinn der Adventszeit droht dagegen in Vergessenheit zu geraten. In der Adventszeit geht es um das Kommen Gottes. Wir erinnern uns am ersten Advent, dass Gott zu uns gekommen ist in Jesus Christus. Wir hoffen, dass Gott einst sichtbar für alle kommen wird, um die Weltgeschichte zu vollenden. Das wird am zweiten Advent thematisiert. Und wir bitten um das immer wieder neu nötige Kommen Gottes in unser Leben und unsere Welt, wenn wir mit dem Vater Unser beten: „Dein Reich komme“. Darum geht es vor allem am dritten Advent.

Das erste bleibende Thema des Advents ist daher die christliche Hoffnung und die Verheißungen, die diese Hoffnung begründen. Auch nach Weihnachten soll ja die Hoffnung auf Gottes Kommen lebendig bleiben. Auch nach Weihnachten haben wir etwas zu erwarten. Das zweite bleibende Thema des Advents ist der Ruf zur Umkehr. Darauf verweist im Advent vor allem die Figur Johannes des Täufers, der als Vorläufer des Messias Jesus Christus den Weg bereitet. Jesus Christus kommt hier und jetzt in unser Leben und wendet es dadurch zum Guten.

Für diese Neuorientierung braucht es Stille, Ruhe und Besinnung. Stille, Ruhe und Besinnung sind bei uns heute freilich kein adventliches Thema; zum adventlichen Brauchtum gehört eher die Klage über Stress und Hektik. Stille, Ruhe und Besinnung gehören bei uns – wenn überhaupt – eher in die Zeit zwischen den Jahren. Besser spät als nie, kann man da nur sagen.

Früher war die Adventszeit eine Buß- und Fastenzeit. Das ist in erster Linie nicht materiell gemeint, sondern spirituell. Es ist nicht schlimm, wenn die Menschen ab September Lebkuchen essen. Es ist schlimm, wenn sie ihren spirituellen Mangel nicht mehr spüren und die Sehnsucht nach dem eigentlich Wichtigen nicht länger ertragen. Im Advent sollen wir unsere Enttäuschungen und unerfüllten Hoffnungen anschauen und den Mangel aushalten, statt ihn zu betäuben. Der Blick darauf kann uns helfen, unsere Sehnsucht auf Gott zu richten, die Hoffnung wachzuhalten und neu um das Kommen Gottes zu bitten. Das ist – wie schon gesagt – zu jeder Zeit des Jahres wichtig, doch es tut gut, es sich von Zeit zu Zeit in besonderer Weise bewusst zu machen. Dafür ist das Kirchenjahr da.

Der vierte und letzte Sonntag im Advent steht schließlich im Zeichen der Vorfreude und leitet über zu der großen Freude, die von den Engeln in der Weihnachtsgeschichte verkündigt wird:

„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lk 2,10.11)

Pfarrer Jürgen Seidl

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