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Die Predigt bei Abschlußgottesdienst hielt der anglikanische Erzbischof von Kapstadt, Thabo Makgoba:

„Ich bete dafür, dass Ihr radikal sein werdet.“

"Ich bin sicher, dass es für junge Menschen eindrucksvoll wäre, inmitten aller Beliebigkeit auf Menschen zu treffen, die nicht vergessen haben, dass die Botschaft Jesu Christi radikal war, so wie die Liebe, die er von der Krippe bis zum Kreuz vorgelebt hat, radikal war."

Erkennen Sie den Turm der Wittenberger Schlosskirche ganz links im Bild und die beiden Türme der Stadtkirche, der Predigtkirche Martin Luthers, genau in der Bildmitte am Horizont? Vor dieser besonderen Kulisse auf den Elbwiesen vor Wittenberg war es mir Ende Mai eine Freude, im Jahr des 500. Reformationsjubiläums den Schlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags mitzufeiern.

Die Predigt hielt der anglikanische Erzbischof von Kapstadt, Thabo Makgoba. Ein Satz des südafrikanischen Gastpredigers, den er besonders an die jungen Menschen richtete, ließ mich beeindruckt aufhorchen: „Ich bete dafür, dass Ihr radikal sein werdet, dass Ihr Eure Liebe verschenkt, selbst wenn Ihr um Eure Schwächen und Einschränkungen wisst, selbst wenn Ihr Euch eingeschüchtert fühlt von der Größe der Aufgabe, diese Welt zu verändern.“

Als ich abends auf www.tagesschau.de

die Kommentare zu der Meldung vom Schlussgottesdienst las, war ich erschrocken, dass den eifrigen Kommentarschreibern offenbar überhaupt nicht bekannt ist, was das Wort radikal eigentlich bedeutet. Viele bringen das Wort wohl ausschließlich mit hasserfüllten, islamistischen Terroristen in Verbindung, ohne den ursprünglichen Sinn des Wortes radikal zu kennen. In einem Herkunftswörterbuch kann man erfahren: radikal bedeutet „von Grund auf, gründlich, bis zum Äußersten gehend“; radikal geht auf das lateinische radicalis „verwurzelt“ zurück, das auch im Sinne von „angeboren, angestammt, natürlich“ verwendet wurde. Radikal kommt vom lateinischen radix = Wurzel und lässt uns nach unserer Wurzel fragen, nach dem, was uns eigentlich trägt und hält, was uns Saft und Kraft gibt.

Wenn ich mir vorstelle, wie Jugendliche unsere Kirche erleben, dann ist es für sie vermutlich nicht so leicht, etwas zu entdecken, was sie wirklich fasziniert und mitreißt, was ihrem Leben Halt und Tiefe gibt. In ihren Familien erleben viele, dass nur noch ein Elternteil Mitglied der Kirche ist, dass Kirche für den Alltag nicht weiter relevant ist, höchstens für einen stimmungsvollen Heiligen Abend oder für den Segen zu bestimmten Anlässen, und dass die christlichen Werte wohl nicht schaden können. Ganz andere Adjektive fallen mir da ein: lau, flach, halbherzig, oberflächlich. Ob man nach dem Motto: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ wirklich erfahren kann, was den christlichen Glauben ausmacht, was ihn kostbar macht?

Ich hoffe so sehr, dass die Jugendlichen, die sich auf die Konfirmation vorbereiten, in unserer Kirchengemeinde Menschen begegnen, die wirklich verwurzelt sind im christlichen Glauben, denen der Glaube an Jesus Christus nicht nur eine recht angenehme Nebensache ist, sondern die in ihm gründen und ganz aus ihm heraus leben. Ich bin sicher, dass es für junge Menschen eindrucksvoll wäre, inmitten aller Beliebigkeit auf Menschen zu treffen, die in einem guten Sinne radikal sind, die also konsequent für etwas einstehen, die nicht vergessen haben, dass die Botschaft Jesu Christi radikal war, so wie die Liebe, die er von der Krippe bis zum Kreuz vorgelebt hat, radikal war. Was für ein Geschenk wäre das für unsere zerrissene Gesellschaft, wenn wir Christen den in einem rundherum falschen Sinne „Radikalen“ mit ihrem Hass wahrhaft radikale Liebe entgegensetzen würden, wenn die Liebe Jesu Christi unser Handeln und unser Leben radikal – von der Wurzel her – bestimmen würde!

Den Satz des südafrikanischen Bischofs konnte ich übrigens gut mit der Wittenberger Kulisse in Verbindung bringen, mit der Radikalität der Reformation, die vor 500 Jahren die Welt veränderte, weil Martin Luther nach der Wurzel fragte und dabei die Liebe Jesu Christi fand. In der Hoffnung auf einen Weg aus der Oberflächlichkeit in die Tiefe stimme ich in das Gebet ein, das sich in einem Liedvers unseres Gesangbuchs findet:

Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein,
senke sie in unser Wesen tief hinein.

Pfarrerin Silke Alves-Christe

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