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Was heißt „evangelisch“?

[CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia CommonsTorgau, Schloss Hartenfels, Schlosskirche, Innenansicht

Was bedeutet „evangelisch“? Was ist das Erbe der Reformation? Was bleibt – außer dem Playmobil-Luther, der Erinnerung an einen herrlichen Kirchentag in Berlin und Wittenberg, wenn wir langsam dem Höhepunkt der Festlichkeiten zusteuern?

Was bedeutet „ecclesia semper reformanda“, dass die Kirche immer wieder neu zu reformieren ist?

In der diesjährigen Sommerkirche unserer Gemeinde ging die Reise zu einigen „Orten der Reformation“. Ich persönlich hatte die Aufgabe, zu beschreiben, was in Torgau an der Elbe, unweit von Wittenberg geschehen ist. Torgau ist kein berühmter Ort der Reformation, aber es ist erstaunlich, was da passiert ist:

  1. Es wurde für Torgau im Jahr 1529 eine erste „Visitationsordnung“ erstellt. Das ist nicht spannend, aber wichtig: eine Anweisung zur Verwaltungsprüfung, damit mit dem Geld der Kirche ordentlich und gut umgegangen wird.
  2. Die Schlosskapelle von Torgau war die erste evangelische Kirche, nach Luthers Vorstellungen im Jahr 1544 sehr schlicht und schön gestaltet. Das ist viel aufregender, weil die Frage nicht nur lautet, wie das Alte umgestaltet wird, sondern wie das Neue denn aussehen soll. Wie bauen wir eine Kirche, wenn wir noch keine haben?
  3. Und es gibt die „Torgauer Artikel“ aus dem Jahr 1530, die in einigen Teilen in das berühmte Augsburger Bekenntnis eingeflossen sind. Hier geht es um wesentliche Themen, die unsere Kirche heute noch als „evangelisch“ erkennen lassen:
  • „Heilige“ werden zwar respektiert, aber nicht angebetet. Sie haben keine Mittlerfunktion in der Verbindung zu Gott – Jesus Christus genügt.
  • Beim Abendmahl bekommen alle Gottesdienstbesucher Brot und Wein. Die Pfarrer mögen heiraten, wenn sie es wollen.
  • In der Messe wird kein neues Opfer dargebracht, sondern Jesus Christus hat alles getan.

Spannend ist: Wie kommt man zu diesen Entscheidungen?

Im Abschnitt „Von Menschenlehr und Menschenordnung“ geben die von den Reformatoren Luther, Melanchthon und Bugenhagen verfassten Artikel dem Kurfürsten zu bedenken, dass dieser zwar die Aufgabe habe, das kirchliche Leben „um des Friedens willens“ zu ordnen. Andererseits gibt es eine deutliche Einschränkung:

„Es sind aber viel menschliche Ordnung, die ahn Sund [ohne Sünde] nicht mögen gehalten werden“.

Drastisches Beispiel ist der Zölibat, die von Papst Benedikt VIII im Jahr 1022 verordnete Ehelosigkeit der Priester. Ein Mensch könnte dabei verzweifeln, ehelos zu bleiben, und lebt seine Sexualität dann vielleicht im Verborgenen. Ohne Sünde – ohne Verzweiflung, ohne in gefühlte Ferne von Gott zu geraten, geht das nicht. Menschliche Ordnungen können Menschen in verzweifelte Situationen bringen! Das Gewissen wird belastet. Demgegenüber sagt dieser Artikel: Menschliche Gewohnheit – so – sollen „Schrift und Wahrheit“
weichen.

500 Jahre nach der Reformation bleibt das unsere Aufgabe. Wir – nicht mehr der Kurfürst, sondern die Kirchenvorstände und Synoden – geben uns Regeln und Ordnungen für das Leben in Kirche und Gemeinde. Diese Regeln sind, je länger es sie gibt, für viele unumstößlich. Sie wirken „evangelisch, protestantisch“, ein Markenzeichen: zum Beispiel der schwarze Talar, den die „Kleiderordnung“ der Kirche vorschreibt. Die Wechselgesänge der Straßburger Liturgie, die unseren Gottesdienst prägen. Aber ist das auch evangelisch im Sinn des Evangeliums?

Evangelisch ist, was hilft, das Evangelium hörbar und verständlich zu machen. Es ist ein gutes evangelisches Erbe, „Menschenlehr und Menschenordnung“ immer wieder kritisch zu sichten. Dann beginnt ein Veränderungsweg. Es gilt, würdevoll Formen zu verabschieden, die lange geholfen haben. Neues ausprobieren, einüben – dabei viele einbeziehen. Das Ziel ist: Viele Menschen sollen das Evangelium, die große Einladung der Liebe Gottes hören.

Pfarrer Andreas Klein

Foto: © Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [CC BY 4.0], (via Wikimedia Commons)

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