Dreikönigsgemeinde

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Dreikönigsgemeinde zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

Was mache ich, wenn...
Menümobile menu

Der Frühling kommt. Auch zu uns.

Der Frühling beginnt – überall bricht sich das Leben Bahn. Alles lebt auf und ist aktiv. Ostern wird sichtbar, die Welt ersteht auf. Da möchte man doch mitmachen – raus, auf das Fahrrad, an den Main und die Zeit genießen. Doch nein – irgendwas ist doch immer zu tun. Die Post will beantwortet sein, arbeiten geht man ja auch noch. Ehe man sich versieht, ist der Tag wieder mal in Arbeit untergegangen. Nicht einmal die Bibel scheint da Trost zu bieten – der Monatsspruch für den Mai bringt auch nur Arbeit mit sich.

„Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!" (1. Petrus 4,10).

Kann es denn wahr sein, dass nie einmal Zeit zu Muße und Genuss ist? Immer nur dienen?

In modernen Zeiten hat es das Wort „dienen“ schwer. Es klingt so unterwürfig. Und unterwerfen will sich niemand mehr. Keinen Regeln, keinen Vorgesetzten möchte man untergeordnet sein und schon gar nicht einer Kirche, die zu Dienst und Arbeit ruft.

Doch das greift zu kurz. Das hier mit „Dienen“ übersetzte Wort bedeutet im Urtext „Füreinander sorgen“. Und dass wir Verwalter der Gnade Gottes sind, das sieht man gar nicht, wenn man nur am Dienen hängt. Es lohnt sich also, den Blick zu weiten. Und dann sehen wir: Wir sind gefragt. Nicht unterworfen. Wir dürfen uns dessen freuen, was wir können und werden ermuntert, es einzusetzen. Das öffnet uns in aller Hektik, die uns scheinbar auffressen will, viel Raum. Denn wenn wir unsere Gaben einbringen sollen, wie es der Monatsspruch möchte, dann können wir uns auch darüber klarwerden, was diese Gaben eigentlich sind. Wir haben Zeit, zu erkennen, zu was wir berufen sind. Und können das ablegen, was uns daran hindert, dieser Berufung zu folgen. Kraft dazu können wir aus dem Ostergeschehen schöpfen. Was zu Ende schien, beginnt plötzlich neu. Das gilt auch für uns. Wir können bedenken, wo wir stehen, und wenn wir sehen, dass unser Weg uns nicht weiterführt, da wird Gott uns Wege öffnen, auf denen wir unserer Berufung folgen können.

Das scheint immer noch sehr fordernd zu sein. Doch es sind nur die empfangenen Gaben gefragt. Mehr nicht. Das Leben ist vielfältig, in der Dreikönigsgemeinde mit all ihren Aktivitäten und auch sonst überall. Da ist für jede Gabe und jede Fähigkeit ein Platz. Niemand muss alles können. Gott ruft uns auf, zu erkennen, was wir beitragen können. Und das dann von ganzem Herzen zu tun. So, wie das Leben im Frühjahr erblüht, dürfen auch wir aufblühen. Und uns freuen an dem, was wir tun. Ohne verzagt zu sein, ob es nun reicht oder nicht. Denn bei allem, was die Zeit für uns vorgesehen hat, ist auch die Gewissheit dabei, dass nichts von uns gefordert wird, das Gott uns nicht gegeben hat.

Und dazu gehört auch die Fähigkeit, nein zu sagen. Das Wort aus dem 1. Petrusbrief verleiht schon seit Jahren das, was heute unter dem Fachbegriff „Resilienz“ hoch im Kurs ist: seelische Widerstandskraft. Kurse und Trainings werden angeboten, um diese zu erlangen. Schon Kinder werden daraufhin untersucht. Und eine Flut von Ratgebern unterstützt Eltern dabei, ihre Kinder so „resilient“ wie möglich zu machen. Solche Widerstandskraft dürfen wir auch dem Monatsspruch entnehmen. Was wir geben können, sollen wir geben, was uns aber nicht gegeben ist, das müssen wir uns nicht antrainieren. Wir können darauf vertrauen, dass andere können, was uns nicht gegeben ist.

Und noch etwas spricht aus diesem Wort: Der Ruf nach Respekt. Denn ein jeder hat nach der Gnade Gottes eine Gabe empfangen. In jedem ist Gott sichtbar. Sich das klarzumachen, ist oft nicht einfach. Oft will man es auch gar nicht. Ist ja viel zu kompliziert. Wo käme man denn hin, wenn plötzlich liebgewordene Feindbilder nicht mehr erlaubt sind? Die Jugendlichen, die für die Umwelt und das Klima demonstrieren, wissen doch gar nichts und sollen erst einmal was lernen, die Politiker machen ohnehin, was sie wollen und so weiter. Wie einfach.

Auch wir dürfen aufblühen.

Wenn man dann in einem jeden, den man eben noch verächtlich gemacht hat, jemand Begnadetes sieht, dann verändert sich der Blick grundlegend. Und dann kann es im Umgang miteinander Frühjahr werden, dann erblüht gegenseitiges Achten und Wertschätzen.

So will dieses auf den ersten Blick unterwürfig klingende Wort uns aufrufen, neu zu erblühen, uns und die Welt und Mitmenschen neu zu entdecken. Viel kann dabei entstehen. Haben wir Mut und nehmen es an. Zuspruch dazu gibt uns auch das Bibelwort zum April:

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich." (1. Korinther 15,42).

Vikar Dr. Gerrit Nentwig

Grafik: www.freepik.com, macrovector und rawpixel.com

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top