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Sommerpredigtreihe 2019

Die sieben Todsünden

Ausschnitte aus: Hieronymus Bosch: Der Garten der Lüste, www.museodelprado.es

Die sieben Todsünden sind das Thema unserer diesjährigen Sommerpredigtreihe. Dabei sollen die Phänomene in den Blick kommen, die mit Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Völlerei und Wollust bezeichnet werden.

Die sieben Todsünden sind das Thema unserer diesjährigen Sommerpredigtreihe. Dabei interessiert nicht das dogmatische Konstrukt mit seiner Unterscheidung von Todsünden und lässlichen Sünden, mit dem wir als Protestanten wenig anfangen können. Vielmehr sollen die Phänomene in den Blick kommen, die mit Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Völlerei und Wollust bezeichnet werden.

Als Sünde werden die genannten Eigenschaften, Gefühle und Verhaltensweisen freilich kaum mehr wahrgenommen – zumindest nicht im religiösen Sinne als Sünde gegen Gott. Damit ist die Wertung von Gut und Böse jedoch nicht verschwunden. In einer Leistungsgesellschaft ist Trägheit verpönt – sofern sie nicht als Krankheit verstanden werden kann; Depression ist ja kein moralisch zu beurteilendes Vergehen. Und Völlerei gilt zwar nicht länger als Sünde gegen Gott, wohl aber als Sünde gegen sich selbst. Im Rahmen des modernen Fitnesskultes sind Fresssucht und Fettleibigkeit schwerere Vergehen als ein Seitensprung. Sie sind ein Zeichen von Willensschwäche und Verantwortungslosigkeit gegenüber dem eigenen Körper, den man gesund, schön und jung halten muss.

Sexuelles Verlangen wird nicht mehr als Sünde betrachtet, es wird aber erwartet, dass man damit verantwortlich umgeht. Gegenüber sexueller Belästigung ist die Gesellschaft immer sensibler geworden. Die Verharmlosung und Vertuschung sexuellen Missbrauchs wird nicht länger hingenommen. Und Vergewaltigung in der Ehe ist seit 1997 strafbar.

Einige der Todsünden können auch als Tugenden umgedeutet werden. Hochmut kann als Triebfeder für Karrieristen den Aufstieg zu Macht und Geld fördern nach dem Motto „nur keine falsche Bescheidenheit“. Und auch Neid kann zum Ansporn werden, an der Verbesserung seiner eigenen Situation zu arbeiten.

Manche Todsünden sind in Mode gekommen wie der Wutbürger in seinem vermeintlich heiligen Zorn auf die Eliten von Staat und Gesellschaft. Wir sind empört und wütend, weil unsere Ansprüche nicht befriedigt und unsere Rechte nicht respektiert werden. Und die Behauptung „Geiz ist geil“ soll zum Konsum verführen. Der Erfinder des Slogans meint, dass immer mehr Menschen zum Geiz gezwungen werden, weil sie knapp über oder unter der Armutsgrenze leben. Doch da kommt es auf das Maß an. Sparsamkeit und Freude an der Schnäppchenjagd sind das eine. Besitzgier und Kleinlichkeit stoßen dagegen viele ab.

So gesehen bietet die Konfrontation mit den sieben Todsünden auch für Nichtgläubige Einsichten in die eigene Verfassung: Sie sind eine erhellende und mitunter auch verstörende Möglichkeit der Selbsterkenntnis.

Doch was an den Todsünden ist sündig im religiösen Sinne? Bei Sünde denken wir in der Regel an bestimmte Handlungen. Doch bei den Todsünden geht es überwiegend um innere Regungen, um Charaktereigenschaften und Einstellungen. Kommt wahre Sünde wie wahre Schönheit von innen? Darauf deuten die Worte Jesu: „Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen“ (Mth 15,19.20).

Die sieben Todsünden verdeutlichen, wie sich Sünde in unserem Leben auswirkt, denn mit ihnen werden lebensbedrohliche und lebenszerstörerische Zusammenhänge und Dynamiken angesprochen, in die wir verstrickt sind.

Im Blick auf diese Verstrickungen wird Sünde auch wieder als eine böse Macht deutlich, die uns von Gott trennt. Die Ursünde des Hochmuts zieht alle anderen Sünden nach sich. Der Hochmut will in seiner Vermessenheit sein wie Gott und führt zur Trennung von Gott. Das Böse ist die versuchte Gottwerdung des Menschen, das Gute dagegen die Menschwerdung Gottes, die Menschen von der Macht der Sünde befreit.

Die Sünde wird daher nur recht bedacht, wenn sie im Zusammenhang mit Gott bedacht wird. Dagegen nimmt die vorschnelle Verharmlosung der Sünde nach dem Motto „Wir sind alle kleine Sünderlein“ Menschen in ihren Verfehlungen als Täter nicht ernst - und verhöhnt zugleich die Opfer der Sünde. Nur wenn Sünde nicht verdrängt und geleugnet, sondern bekannt und vor Gott gebracht wird, entfaltet das Evangelium seine befreiende Kraft. Dann erst erkennt man, dass man das Leben nicht zu verdammen braucht, das man gelebt hat und dass man sich selbst sogar akzeptieren kann trotz aller Verirrungen.

Pfarrer Jürgen Seidl

30. Juni Geiz
Pfarrerin Hoffmann | Dreikönigskirche

7. Juli Hochmut
Pfarrer Seidl | Bergkirche

14. Juli Zorn
Pfarrerin Alves-Christe | Dreikönigskirche

21. Juli Wollust
Pfarrerin Hoffmann | Bergkirche

28. Juli Trägheit
Pfarrer Seidl | Dreikönigskirche

4. August Neid
Pfarrerin Alves-Christe | Bergkirche

11. August Völlerei
Pfarrer Sinning | Dreikönigskirche

Die Gottesdienste beginnen jeweils um 10 Uhr. Wir bieten einen Fahrdienst an. Rufen Sie bitte freitags davor bis 12 Uhr an: 069-681771.

canvas-stachelschwein.png, Ausschnitte aus: Hieronymus Bosch: Der Garten der Lüste, www.museodelprado.es

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