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Heilige Nacht - „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ (Lk 2,14)

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Wir wissen nicht, was in dieser Nacht geschehen ist. Sie wird ihr Geheimnis für immer bewahren.

Wir wissen nicht, was in dieser Nacht geschehen ist. Sie wird ihr Geheimnis für immer bewahren. Diese Nacht, die man später die heilige nannte, weil in ihr Gott selbst zur Welt kam. In der Heiligen Nacht geschieht, was der Mensch so genau nicht wissen soll. Diese Nacht fordert den Glauben.

Wir wissen nicht, wann diese Nacht war. Wir kennen das Geburtsdatum Jesu Christi nicht. Für den 25. Dezember entschied man sich aus symbolischen Gründen. Die dunkelste Nacht ist vorbei. Das Sonnenlicht kehrt zurück und Jesus Christus ist ja das Licht der Welt. Am Ostermorgen kam diese Wahrheit des Glaubens ans Licht. Jesus Christus war auferstanden von den Toten und hatte ein neues Leben in die Welt gebracht.

Doch wie war das mit seiner Geburt? Darüber wusste man nichts. Man kannte Jesu Verkündigung vom Reich Gottes, Erzählungen über wundersame Heilungen und Totenauferweckungen. Und man kannte das Ende seines irdischen Lebens in Jerusalem: die Kreuzigung und die Auferstehung. Aber wie war der Anfang?

Man wusste es nicht und fragte sich: Wie könnte es gewesen sein? Im günstigsten Fall von Evidenz: Wie muss es gewesen sein? Wurde Jesus in seinem Heimatort geboren, in Nazareth? Das wäre wahrscheinlich. Doch über Nazareth steht nichts in der Bibel. Als Geburtsort des Messias wird dort Bethlehem genannt. Also muss Jesus in Bethlehem geboren sein. Und dass seine Eltern zu diesem Zeitpunkt dort waren, erklärt der Evangelist Lukas mit der vom Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung.

Die Verheißung beim Propheten Micha ist nicht zufällig für diesen Ort ergangen. Schon einmal kam ein König aus Bethlehem. Hier begann einst der Aufstieg des Hirtenjungen David zum größten König, den Israel jemals hatte.

Hier wird ein Grundzug der Geschichte Gottes mit den Menschen deutlich: Der Gott der Bibel erwählt gerne das Kleine und Schwache. Den kleinen David und nicht den großen Goliath. Das kleine Israel und nicht die Großmacht Ägypten. Das Volk der Sklaven und nicht das Volk der Sklavenhalter. Gott steht auf der Seite der Unterdrückten.

Die Weihnachtsgeschichte ist voller Anspielungen auf das Alte Testament. Das gilt auch für die späteren Darstellungen in der Kunst. Sie malen die Geschichte weiter aus. Nun kommen Ochs und Esel an die Krippe. Der Evangelist Lukas schreibt zwar nichts von diesen Tieren. Doch beim Propheten Jesaja heißt es:

„Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn“ (Jes 1,3).

Für die Künstler war das Grund genug für die bildliche Darstellung dieser Tiere bei der Geburt Jesu.

Auf der Ebene der symbolischen Verweise ergibt das alles einen guten Sinn. Der Schlüssel zu allem ist freilich die Ostererfahrung der ersten Christen. Von ihr muss man ausgehen, wenn man Weihnachten verstehen will. Weihnachten ist eine Rückprojektion von Ostern. Der Anfang der Geschichte wird im Lichte ihres Endes gesehen und dargestellt.

Ist also die Weihnachtsgeschichte eine Lüge? Als historische Tatsachenbehauptung wäre sie das wohl. Doch darum geht es nicht an diesem Fest der Symbole und Legenden. Die Wahrheit von Weihnachten liegt jenseits dessen, was historisch zu ermitteln ist. Die Heilige Nacht behält ihr Geheimnis. Bei allem Glanz, der zu diesem Fest gehört, geschieht die Offenbarung Gottes im Verborgenen.

Der Wahrheit von Weihnachten kommen wir nur im Glauben an Jesus Christus auf die Spur. In seiner Gegenwart kann unser Leben gelingen – trotz allem, was uns immer wieder Resignation und Enttäuschung nahelegt.

Das Geheimnis von Weihnachten ist das Geheimnis von Ostern: der Sieg des Lichts über die Finsternis, der Sieg des Lebens über den Tod. Weil uns Weihnachten ein Geheimnis erschließt, in dem sich Wiedergeburt und Neuanfang vollziehen, hat der Lobgesang der Engel in der Weihnachtsgeschichte seine Berechtigung:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ (Lk 2,14).

Was auch immer sich in der Heiligen Nacht nun genau zugetragen haben mag: Am Ende führt die Botschaft von Weihnachten zum Lobpreis Gottes. Wie schön oder wie schrecklich das Leben an Weihnachten für jeden von uns auch gerade sein mag: Zu Weihnachten gehört die Bejahung des Lebens im Lobgesang.

Pfarrer Jürgen Seidl

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