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Lukas 6,36

Jahreslosung für 2021

Jesus Christus spricht: "Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist." Wo habe ich Erfahrungen mit Gottes Barmherzigkeit gemacht? Was meint diese Barmherzigkeit überhaupt?

"Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Eltern prägen ihre Kinder oft stärker, als diese sich bewusst sind. Verhaltensweisen und Wertorientierungen, die ich bei meinen Eltern erlebt habe, werden für mich und mein eigenes Verhalten wichtig. Und selbst wenn ich mich von meinen Eltern sehr bewusst abgelöst habe und weiß, dass ich in mancher Beziehung anders leben und handeln möchte als sie, komme ich doch von ihrer Prägung nicht los; selbst in der Absetzung von ihnen hat sie noch eine bestimmende Wirkung.

Ganz ähnlich ergeht es vielen Menschen in ihren Erfahrungen mit Gott, nicht zuletzt weil auch diese oft sehr stark durch das Elternhaus geprägt sind. Wer in einer strengen religiösen Erziehung einen drohenden und strafenden Gott verinnerlicht hat, tut sich schwer, an einen bedingungslos liebenden Gott zu glauben. Und wer den „lieben Gott“ als einen harmlosen und damit letztlich irrelevanten Gott vermittelt bekam, der kommt ganz schnell zu dem Ergebnis, dass er keine Rolle in dieser Welt mehr spielt, in der so viel Schreckliches geschieht, das sich nicht mit der Vorstellung von einem liebenden und zugleich allmächtigen Gott verbinden lässt.

Daher ist dieser Satz Jesu aus seiner Feldrede im Lukasevangelium (dem Pendant zur Bergpredigt im Matthäusevangelium) gar nicht so einfach, wie er auf den ersten Blick scheint. Denn es stellt sich die Frage: Wo habe ich Erfahrungen mit Gottes Barmherzigkeit gemacht? Was meint diese Barmherzigkeit überhaupt?

Bei seiner Predigt in der Synagoge von Nazareth zitiert Jesus Jesaja 61, 1-2:

„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“

Jesus bezieht dieses Prophetenwort auf sich und seine Tätigkeit:

„Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“ (Lukas 4, 16-21)

Gottes Barmherzigkeit bekommt eine anschauliche und konkrete Gestalt in Jesu Wirken. Viele Menschen erfahren durch ihn Heilung von Krankheiten und krankmachenden Bindungen. Ausgegrenzte erfahren Zuwendung. Arme bekommen Hilfe und Wertschätzung. Als „Sünder“ Angesehene werden mit Vergebung beschenkt.

Die ganze Geschichte Jesu veranschaulicht Gottes Barmherzigkeit. Seine Liebe zu den Schwachen und Geringen prägt das Leben Jesu. Schon bei seiner Geburt wird deutlich, dass Gott sich mit einem Kind, das unter ärmlichen Umständen zur Welt kommt und alsbald Verfolgung und Flucht erleidet, identifiziert. So geht Barmherzigkeit.

Wer wie Jesus Gott „Vater“ nennt, und wie wir das mit jedem Vaterunser tun, der ist eingeladen, seine Barmherzigkeit sich zu eigen zu machen. Der wird hoffentlich auch schon ein Gefühl von Barmherzigkeit in seinem Innersten verspüren. Dies gilt es, auch nach außen hin in allen menschlichen Begegnungen und sozialen Zusammenhängen zu zeigen.

Dazu braucht es gewiss manchmal Mut. Denn diese Barmherzigkeit ist ein Gegenmodell gegen die Regeln, die den gegenwärtigen Alltag bestimmen in Politik und Gesellschaft, im Berufsleben, bei der Wohnungssuche, im Zusammenleben unterschiedlicher Menschen, in zerstrittenen Beziehungen. Was könnte sich nicht alles ändern, wenn dieses Wort Jesu unser Leben tatsächlich bestimmen würde:

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“?

Eines ist – Gott sei Dank – sicher: Gottes Barmherzigkeit zu uns Menschen. Sie ist verlässlich. Unsere dagegen oft nicht. Und doch können wir es: barmherzig sein. Wir können es, weil Gottes Geist uns dazu inspiriert. Lassen wir es sichtbar werden, dass wir von Gottes Barmherzigkeit leben.

Pfarrer Thomas Sinning

Foto: Lotz, gemeindebrief.de

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