Dreikönigsgemeinde

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Dreikönigsgemeinde zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

Was mache ich, wenn...
Menümobile menu

An Silvester, 31. Dezember, ist Marlies Flesch-Thebesius gestorben.

Marlies Flesch-Thebesius †

Foto: Rolf Oeser'Marlies Flesch-Thebesius', Foto: Rolf Oeser

Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet statt am Montag, 14.01.2019, um 10.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main.

An Silvester, 31. Dezember, ist Marlies Flesch-Thebesius gestorben. Sie wäre im März 99 Jahre alt geworden und hat zuletzt im Martha-Haus gewohnt.

Marlies Flesch-Thebesius stammt aus einer Frankfurter Familie mit jüdischen Vorfahren. Ihr Elternhaus stand in Sachsenhausen. Sie wurde 1935 in der Dreikönigskirche konfirmiert.

Obwohl evangelisch galt die Familie Flesch-Thebesius den Nationalsozialisten als „Halbjuden“. Der Vater war Arzt und verlor wegen seiner jüdischen Herkunft seine Stelle am diakonischen Krankenhaus Sachsenhausen.

Während des Nazi-Terrors und des Zweiten Weltkriegs lebte Marlies Flesch-Thebesius als Übersetzerin in Italien. Nach 1945 kehrte sie nach Frankfurt zurück. Sie war zunächst Journalistin bei der Deutschen Nachrichtenagentur (heute dpa) und bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dann arbeitete sie vier Jahre lang für das „Allgemeine Sonntagsblatt“ in Hamburg.

Mit Ende 30 studierte sie evangelische Theologie und wurde Pfarrerin, erst im Rheinland, dann von 1972 bis 1983 an der Paulsgemeinde in Frankfurt. Zugleich war sie Beauftragte für Mission und Ökumene im Propsteibereich Frankfurt.

Marlies Flesch-Thebesius hat auch als Autorin viel geschrieben, unter anderem das Buch „Hauptsache Schweigen“ (1988, überarbeitet 2008). Darin erzählt sie die Geschichte ihrer Familie und ihr Leben unterm Hakenkreuz.

Sie hat das Forschungsprojekt der hessischen Landeskirchen über Christen jüdischer Herkunft mit initiiert. Darüber belebte sich ab 2010 wieder ihr Kontakt zur Dreikönigsgemeinde, der Kirche ihrer Jugend.

Sie wirkte in der Dreikönigskirche bei Gottesdiensten zum Holocaust-Gedenktag mit. Sie besuchte Konfirmandengruppen und beschrieb den Jugendlichen, wie sie als Evangelische mit jüdischen Vorfahren die NS-Zeit erlebt hat.

Nachdem sie von sich erzählt hatte, fragte ein Konfirmand: „Wenn Sie das alles erlebt haben, wie alt sind Sie dann eigentlich?“ Sie lachte.

Marlies Flesch-Thebesius war eine kleine große Frau. Klein an Statur, groß in ihrer Ausstrahlung. Wer ihr begegnet ist, erlebte eine feine, kluge Zeitzeugin und engagierte, streitbare Zeitgenossin. Mit 65 demonstrierte sie gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. Sie setzte sich für den christlich-jüdischen Dialog ein.

Sie hat mit ihrem Glaubens- und Lebenszeugnis viele berührt.

Danke, liebe Marlies Flesch-Thebesius!

Martin Vorländer
Theologischer Redakteur

Öffentlich-rechtliche Rundfunkarbeit / Evangelische Sonntags-Zeitung

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top