Dreikönigsgemeinde

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Dreikönigsgemeinde zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

Was mache ich, wenn...
Menümobile menu

Passionszeit

https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/

Seit dem vierten Jahrhundert wird in der Christenheit eine vierzigtätige Vorbereitungszeit auf das Osterfest begangen. Warum ist sie überhaupt wichtig?

Seit dem vierten Jahrhundert wird in der Christenheit eine vierzigtätige Vorbereitungszeit auf das Osterfest begangen. Sie beginnt nach heutiger Zählung mit dem Aschermittwoch und geht bis einschließlich Karsamstag; das sind ausschließlich der Sonntage, die keine Fastentage sind, genau vierzig Tage. Diese Zahl erinnert an die Fastenzeit, die Jesus in der Wüste verbracht hat, als er den Versuchungen des Teufels mit Worten aus der Heiligen Schrift widerstand (Matthäus 4,4 ff).

Abgesehen von individuellen Verzichtsentscheidungen ist diese Zeit heute in der Regel (zumal in evangelischen Kreisen) keine wirkliche Fastenzeit mehr. Außer als das Ende der Karnevalszeit, die ja ursprünglich ein bewusster Kontrast zur Fastenzeit war, hat der Beginn der Passionszeit für die meisten Christen keine spürbare Bedeutung mehr. Die Betrachtung des Leidensweges Christi ist aus dem Blickfeld geraten (außer vielleicht noch in den Bach´schen Passionen). Warum ist sie überhaupt wichtig?

Die folgenden Verse aus dem Matthäusevangelium können zu einer Antwort führen:

„Und es begab sich, als Jesus alle seine Reden vollendet hatte, dass er zu seinen Jüngern sprach: Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passah ist; und der Menschensohn wird überantwortet werden, dass er gekreuzigt werde.“ (Matthäus 26, 1+2)

Alles Wichtige ist gesagt. Jesus hat seine Reden vollendet: die Verkündigung des nahenden Reiches Gottes, der Ruf in die Nachfolge, die Seligpreisungen und die Auslegung der Tora in der Bergpredigt, die heilenden Worte für Menschen mit allerlei Krankheiten und Belastungen, die Gleichnisse vom Reich Gottes, die Reden vom Ende der Zeiten und vom Weltgericht. Alles ist gesagt. Die Reden sind vollendet. Es muss nichts mehr hinzugefügt werden.

Und doch kommt noch etwas. Etwas, das schwer zu verkraften ist, das alles bisher Gehörte infrage stellen könnte und den Glauben bis ins Mark erschüttert:

„Der Menschensohn wird überantwortet und gekreuzigt werden.“

Es wird berichtet, dass Petrus bei der ersten Erwähnung der Kreuzigung durch Jesus heftig reagierte: Das kann nicht sein und das darf nicht sein, sagt er. Und damit spricht er uns aus dem Herzen. „Doch,“ sagt Jesus; es ist satanisch, die Aussicht auf sein Leiden abzuweisen.

Während alles noch in Ordnung scheint, die Predigt Jesu neue Einsichten eröffnet hatte und nun das Passahfest nach vertrauter Weise vorbereitet werden muss, fährt die Ankündigung Jesu von seiner Kreuzigung mit aller Schärfe dazwischen. Wird so nicht alles infrage gestellt? Was kann man dann noch glauben von all dem Gesagten, wenn der, der es sagte, getötet wird?

So steht der Beginn der Passionszeit für einen tiefen Einschnitt: Alles wird zutiefst erschüttert. Der Tod fährt gnadenlos zwischen alles, was das Leben und den Glauben ausmacht. Es ist die völlige Dekonstruktion menschlicher Gewissheit, auch der Glaubensgewissheit.

Wenn heute wertschätzend vom christlichen Glauben gesprochen wird, dann reduziert sich das oft auf die „christlichen Werte“, die in Jesu Verkündigung und in seinen Taten gesehen werden. Das aber wäre zu wenig, um darauf zu bauen „im Leben und im Sterben“ (Heidelberger Katechismus, 1. Frage). Eine glatte, harmlose Religion wäre das, eine für harmonische Festtage, an denen man sich seiner Werte vergewissert.

Die Passion Jesu erschüttert sie jedoch zutiefst. Erst dadurch wird der Glaube an Jesus zu einer tröstenden und befreienden Kraft. Er wird es allerdings nicht einfach so, sondern durch Krisen und Zweifel hindurch. Das kann man in den Berichten der Evangelien nachlesen. Die Jünger haben sich nahezu alle zerstreut, als Jesus gekreuzigt wurde. Selbst als sie dem Auferstandenen begegneten, zweifelten einige noch immer (Matthäus 28, 17). Der Tod des Messias ist zu verstörend. Die Botschaft vom Kreuz ist zu unlogisch und der Anblick des Gekreuzigten zu unästhetisch, als dass sich diese Botschaft mit dem sonst Gehörten harmonisieren ließe.

Gerade deshalb aber ist die Passion Jesu ein Bild, in dem sich die Lebenswirklichkeit der Menschen ganz realistisch widerspiegelt: genauso chaotisch, widersprüchlich, leidvoll, unschön und vom Tod gezeichnet, wie sie eben auch ist.

Darum ist es wertvoll, den Sinn der Passionszeit wieder zu entdecken. Ohne Jesu Passion wäre unser Glaube ein anderer. Die Passion ist der Stresstest unseres Glaubens. Jesus hat ihn bestanden. Darum feiern wir am Ende der Passionszeit das Osterfest.

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top