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Monatsspruch für August 2018

Reif fürs Poesiealbum?

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt bei ihm. 1. Johannes 4,16 (E)

Haben Sie früher ein Poesiealbum gepflegt? Wie, Sie haben es noch und wissen, wo es liegt? Und bei den Einträgen der Klassenkameradinnen und Freunde können Sie noch genau sagen, wie schnell und gut erhalten das Buch zurück in Ihre Hände kam?

Dann können Sie bestimmt noch einige der beliebtesten und schönsten Sprüche aufsagen! Falls nicht, machen Sie sich keine Gedanken – im Internet sind alle Sprüche zu finden. „Hab ein Lied auf den Lippen, verliere nie den Mut, hab Sonne im Herzen und alles wird gut!“ Dies und viel mehr finden Sie dort und es erinnert daran, dass es hier nicht um hochwertige Dichtkunst geht, sondern um den Ausweg aus der Peinlichkeit, auch noch dem unbeliebtesten Schüler der Klasse etwas halbwegs Freundliches hinterlassen zu können! „Wenn einst trübe Tage kommen, verzage nicht so schnell. Nach Regen scheint die Sonne, macht alles wieder hell.“ Dann ist es ja gut.

Nun könnten es auch Bibelsprüche in ein Poesiealbum schaffen, und der Monatsspruch für den August 2018 wäre quasi prädestiniert dazu. Rhythmisch gesprochen ein Vierzeiler, und mit den Worten wird gespielt.

Gott ist Liebe,
und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott
und Gott bleibt in ihm.

Mit dem Stichwort „Liebe“ kann man nichts falsch machen. Kurzum, dieser Spruch ist schön und tut nicht weh. Es sei denn, man denkt darüber nach. Es geht in diesem Wort um zweierlei. Um das Wesen Gottes und darum, wie wir leben.

Wenn Gottes Wesen nicht mit Allmacht und Größe, mit Gerechtigkeit und Kraft beschrieben wird, sondern wesenhaft mit Liebe, dann wird etwas behauptet, was überhaupt nicht bewiesen werden kann! Wie kann in der Zufälligkeit der Welt überhaupt von einer schaffenden und ordnenden Kraft ausgegangen und dann noch vermutet werden, diese Kraft, die seit Millionen von Jahren das unendliche All regiert, habe ein Interesse an einem liebevollen Verhältnis zu jedem einzelnen der acht Milliarden Menschen auf dieser Welt (zusätzlich zu allen, die schon gelebt haben) und interessiere sich für deren Weg und helfe ihnen? Es wäre billig wie der Eintrag ins Poesiealbum, das einfach mal zu behaupten, weil es schön klingt.

Und zweitens: Was meint das „Bleiben in der Liebe“? Bedeutet es nur, diese Liebe zu bejahen, oder auch selbst aktiv liebevoll zu leben? Und kommen wir – in der Liebe und in der Lebenszeit so limitierten Menschen – dadurch in ein solches Verhältnis zu Gott, dass wir in Gott bleiben und Gott bleibt in uns? Und bedeutet das andersherum auch, dass bei dauerhaft lieblosem Verhalten diese Beziehung gefährdet ist?

Vielleicht ist dieser Spruch doch nicht reif für’s Poesiealbum, sondern birgt mehr Irritation in sich als vermutet!

Gott radikal als Liebe zu denken, das kann ich nur, wenn ich auf Jesus Christus schaue. Sein Leben war radikales Annehmen des Lebens, der anderen, der Feinde. Er hat aus Liebe das Leben angenommen, das Risiko, die Angst, den Tod. Es war nicht billig, es war teuer, wie er gelebt hat. Und es war alles Liebe. Und das fordert mich persönlich und uns als Kirche und Gesellschaft heraus. Und das lädt uns ein: Dieser Liebe zu folgen ist keine Imitation und keine Mimikry aus eigener Kraft, sondern ein Bleiben, so wie die Rebe am Weinstock. Und ganz konkret wird die Liebe immer mehr zur Herausforderung in einer Gesellschaft, in der Abschottung und Grenzziehung das probate Mittel zur Lösung der Probleme werden.

Wie wäre es, wenn das Wort von der Liebe nicht im Poesiealbum stünde, sondern in meinem Kalender oder in der Tagesszeitung?

In diesem Sinn – seien Sie herzlich gegrüßt!

Ihr Pfarrer Andreas Klein

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