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Vom Kreuze - Leben im Vertrauen auf Gott

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"In allen Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, empfinde ich die Zugehörigkeit zu einer Kirchengemeinde als faszinierende und zugleich sehr heilsame Lebensform."

Ach, wie schwer tun sich viele Menschen in Deutschland damit, dass das Christentum in die Defensive zu geraten droht! Welch hilflose Versuche muss man zurzeit beobachten, das Symbol des Kreuzes, das aus den Herzen vieler Menschen verlorenging, wenigstens noch an manche Wände zu hängen! Ich selbst freue mich über jedes Kreuz, das ich erblicke und das mich an Jesus Christus erinnert, aber ich mache mir keine Illusionen darüber, dass ein Kreuz an der Wand Menschen, die den christlichen Glauben verloren haben, diesem wieder näherbringen könnte.

Mehr als an den Wänden öffentlicher Gebäude vermisse ich das Kreuz beispielsweise auf vielen Todesanzeigen. Es macht mich traurig, dass Menschen, die von einem Verstorbenen Abschied nehmen müssen, den Trost, der im Sterben und in der Auferweckung Jesu zu finden ist, nicht mehr kennen und ohne diesen Trost und diese Hoffnung über den Tod hinaus den Verlust eines geliebten Menschen bewältigen müssen. Aber mit einem äußerlichen Zeichen, mit einem Kreuz an der Wand oder auf dem Zeitungspapier, ist etwas, das im Inneren verlorengegangen ist, nicht zu beheben. Studien legen nahe, dass es eine Verbindung gibt zwischen materiellem Wohlstand und der Abkehr vom Glauben und von der Kirche, zwischen finanzieller Sorglosigkeit samt daraus oft resultierender Oberflächlichkeit und dem Verdrängen von existenziellen, tiefgehenden Fragen, auf die der Glaube Antwort geben kann. Mit der Zuwanderung von Muslimen in unser Land – wie manche mutmaßen – hat dieser innere Glaubensverlust jedenfalls überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil kann uns gerade das Konfrontiertsein mit anderen Religionen dazu führen, neu nach dem eigenen Glauben zu fragen.

Ganz offensichtlich haben der christlichen Kirche die Zeiten nicht gutgetan, in denen sie sich unangefochten zu einer Art Selbstverständlichkeit entwickelt hat, die nicht groß hinterfragt wird. Gewohnheit und Automatismus sind für den christlichen Glauben offenbar viel gefährlicher als Anfragen und Zweifel. Wenn Menschen herausgefordert sind, sich zwischen bewusster Hinwendung zum christlichen Glauben und bewusster Abkehr von ihm zu entscheiden, wird das in meinen Augen der christlichen Kirche nicht schaden, sondern kann sie im Gegenteil stärken. Die Zeit der Entstehung der christlichen Kirche war jedenfalls eine Zeit des intensiven Konkurrierens verschiedenster Glaubensformen. In jeder Hinsicht angefochten, alles andere als etabliert, ja zeitweise blutig verfolgt, war die christliche Kirche erstaunlich anziehend für viele Suchende und Fragende im damaligen römischen Weltreich, das mindestens so multikulturell war wie unsere heutige Gesellschaft.

Viel wichtiger als die große Zahl, als eine unangefochtene Mehrheitsposition, scheint mir die echte, innere Überzeugung, die nach außen strahlt. Darauf, dass die Kirche stark und mächtig ist, kommt es nicht an. Vielleicht kann gerade eine schwache Kirche sich wieder neu darauf besinnen, dass sie nicht aus eigener Kraft lebt, sondern ganz auf Jesus Christus angewiesen ist und in seinen Händen liegt.

In allen Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, empfinde ich die Zugehörigkeit zu einer Kirchengemeinde als faszinierende und zugleich sehr heilsame Lebensform. Eine Kirchengemeinde vor Ort bewahrt, vertritt und lebt Werte, die unserer in mancher Hinsicht kranken Gesellschaft guttun. Solidarität, Toleranz, Respekt, Nächstenliebe – in einer christlichen Gemeinde üben wir im Kleinen – mal mehr, mal weniger erfolgreich – ein, was unserer Gesellschaft im Großen weiterhilft. Aber für mein Christsein sind nicht die christlichen Werte das Beeindruckende und das Entscheidende. Sie sind jedenfalls nicht das Erste, sondern sie sind das, was aus dem folgt, was mein Herz erfüllt: die tiefe Freude, aus dem Vertrauen auf Gott heraus leben zu dürfen. Dass wir als Dreikönigsgemeinde zu diesem Gottvertrauen einladen und davon zeugen können, das wünsche ich mir mehr als alles andere.

Pfarrerin Silke Alves-Christe

 

 

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