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Sommerpredigtreihe: Gleichnisse Jesu - „Die königliche Hochzeit“

"Gott lädt uns ein"

Predigt gehalten von Pfarrer Thomas Sinning zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 18.07.2021 aus der Bergkirche/ Dreikönigskirche.

Liturgie und Predigt: Pfarrer Thomas Sinning

Predigttext: Matthäus 22, 1-14

"1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. 3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu rufen; doch sie wollten nicht kommen. 4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! 5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft. 6 Die Übrigen aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie. 7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. 8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert. 9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet. 10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, alle, die sie fanden, Böse und Gute; und der Hochzeitssaal war voll mit Gästen. 11 Da ging der König hinein zum Mahl, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, 12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. 13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die äußerste Finsternis! Da wird sein Heulen und Zähneklappern. 14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt."

Liebe Gemeinde!

Gott lädt uns ein. Er will, dass wir zu ihm kommen wie Freunde, die er zu einem großen Fest eingeladen hat. Und es geht dabei darum, dass wir Teil haben an der großen Freude. An der Freude des Lebens, die mit nichts besser zu vergleichen wäre als mit der glücklichen Vereinigung von Frau und Mann. Das ist, kurz gesagt, die Botschaft des Gleichnisses, das Jesus erzählt hat.

Nun hört sich das Gleichnis, das wir eben gehört haben, freilich ein bisschen anders an.

Da wird Gewalt gegen die Boten des einladenden Königs erzählt, von dessen Zorn, der in einen regelrechten Krieg gegen eine ganze Stadt mündet, und auch davon, dass einer fortgeschickt wird, weil er kein festliches Kleid trägt. Wenn man das alles hört, dann wird aus dem schönen Gleichnis von der Hochzeitsfeier eine traurige und geradezu gruselige Geschichte. Was soll man davon halten?

Nun, hier kann man erkennen, dass die Geschichten und Gleichnisse von Jesus im Laufe der frühen Zeit der Kirche bei ihrer Überlieferung situationsbedingt aktualisiert wurden. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, in welcher Situation der Evangelist Matthäus diese Geschichte geschrieben hat.

Es war unmittelbar nach der schrecklichen Erfahrung des jüdischen Krieges, in dem die Stadt Jerusalem von den Römern zerstört wurde (im Jahr 70 nach Christus). Das Trauma der unmittelbaren Nachkriegs­zeit hat ihn geprägt.

Er hat das Gleichnis Jesu gedeutet als eine Geschichte, die die Zerstörung Jerusalems als Strafe Gottes dafür ansieht, dass die Propheten Gottes abgelehnt und ein gewaltsa­mes Geschick erleiden mussten. Der Krieg der Römer gegen Jerusalem als Gottes Strafe für das Fehlverhalten seiner Oberschicht -  so sieht es Matt­häus. Er deutet das Gleichnis Jesu politisch und theologisch vor dem Hintergrund der Erfahrung des jüdischen Krieges.

Ich möchte diesen geschichtlichen Zusammenhang jetzt nicht vertiefen. Doch es ist wichtig, ihn zu verstehen, damit wir auch die verstörenden Aussagen der Bibel richtig einordnen können. Und damit man erkennt, dass es bei solchen biblischen Texten wichtig sein kann, die verschiedenen Schichten eines überlieferten Textes in ihrem jeweiligen geschichtlichen Kontext zu verstehen.

Die Botschaft des Gleichnisses, das Jesus erzählt hat, und das in seiner vermutlich ursprünglicheren Form im Lukasevangelium überliefert ist (Lukas 14, 15-24), die soll heute für uns im Vordergrund stehen. Und diese Botschaft ist eine überaus frohe: Gott lädt uns ein.

Dass die Botschaft unseres Glaubens eine Einladung Gottes ist, ist schön. Denn das bedeutet ja: Ich muss mich nicht erst bemühen und abrackern, ich muss nicht erst eine bestimmte Frömmigkeit ein­üben oder bestimmte Verdienste in der Kirche erwerben, um von Gott geliebt zu sein. Ich bin eingeladen. Ich bin von Gott geliebt. Ich darf kommen, ohne Angst, ohne Vorbedingungen.

Das ist ein großes Geschenk, diese Einladung. Und sie gilt jedem Menschen, jedem, gleichgültig woher er kommt, welche Sprache er spricht oder welche Begabungen er hat. In diesem Gleichnis werden alle von den Straßen hergerufen, und ausdrück­lich heißt es: „Gute und Böse“. Alle sind eingela­den, denn Gottes Einladung gilt jedem Menschen.

Aber: Es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass nur, wer diese Einladung auch annimmt, Teil hat an der Freude dieses Festes. Das heißt: Nur wer sich auf eine Beziehung zu Gott einlässt, der lernt ihn auch kennen.

Nur wer seine Taufe nicht vergisst und nicht geringschätzt, der wird ein fröhlicher Christenmensch werden. Nur wer be­tet, bekommt auch Antwort. Nur wer bei der Kirche mitmacht, lernt sie auch lieben und schätzen. Nur wer mit Gottes Wort lebt und danach handelt, er­fährt auch etwas von seiner Wahrheit und von sei­ner versöhnenden Kraft. Nur wer die Vergebung in Anspruch nimmt, der erfährt das befreiende Ge­fühl, neu anfangen zu dürfen. Nur wer öfter an Gottesdienst und Abendmahl teilnimmt, dem er­schließt sich das Geheimnis der Gegenwart Gottes, auch wenn es manchmal eine lange Zeit und viele Sonntage brauchen kann, bis man diese Erfahrung macht.

Diejenigen, die die Einladung Gottes ausgeschla­gen haben, bleiben draußen. Ihnen entgeht die be­glückende Erfahrung der Liebe Gottes. Sie sind auf der letztlich traurigen Seite. Sie haben sich in ihren Plänen und Alltagsgeschäften nicht un­terbrechen lassen durch Gottes Einladung.

Wer eine Einladung wie diese gleichgültig oder gar verächtlich zurückweist, der ist in der Gefahr, zu einem harten und unsensiblen Menschen zu wer­den, der auch Gewalt als Mittel zum Erreichen seiner Ziele für denkbar hält. So erzählt es das Gleichnis: „ … etliche aber griffen seine Knech­te, höhnten und töteten sie.“

Gottes Einladung ist eine heilsame Unterbrechung unseres Lebens, die uns darauf hinweist, dass der Schlüssel zu ei­nem gelingenden Leben in der Liebe liegt und nicht in der Gewalt. Es ist gut, wenn wir emp­fänglich für Gottes Botschaft bleiben, wenn wir unseren Alltag durch ihn unterbrechen lassen, durch jeden Sonntag, durch ein Gebet, durch Hören auf sein Wort. Denn das kann uns bewahren davor, dass wir uns immer mehr und immerzu um uns selbst drehen und der Egoismus sich breit macht, der sich mit anderen mitzufreuen nicht mehr in der Lage ist.

Nun endet das Gleichnis, wie Matthäus es er­zählt, überaus traurig. Denn da ist einer, der hat keine festliche Kleidung an, und deshalb wird er ausgewiesen. Dieses Ende des Gleichnis­ses ist befremdlich. Ich gebe zu, mir gefällt es nicht. Aber ich will versuchen es zu verstehen: Ist das Festkleid nicht ein Freudenkleid? Drückt es nicht Freude aus, und Respekt vor dem Gastge­ber, und die Bereitschaft, sich mit ihm mitzu­freuen?

Kann es da nicht verständlich sein, wenn einer, der sich der Freude versperrt, keinen Platz auf dem Fest findet? Ich verstehe die fehlende hoch­zeitliche Kleidung nicht als einen Mangel an Frömmigkeit oder als eine Bedingung, die nur be­sondere Menschen erfüllen könnten.

Sondern hier ist wohl eher ein Hinweis gegeben darauf, dass ich selber das Gelingen meines Lebens gefährden kann, indem ich einfach nur so bleiben will, wie ich bin, indem ich mich anderen Menschen ver­schließe, ihre Freuden und Sorgen ignoriere und mein Ich in selbstgewählter Isolation ge­fangen sein lasse. So verschließen wir uns auch Gott.

Ziehen wir ruhig die Freudenkleider der Hochzeitsgäste an. Das heißt: Lassen wir es doch auch andere erkennen, wer wir sind: Gottes geliebte Menschen, und zeigen wir ruhig auch nach außen, dass wir als Christen teilnehmen möchten an den Freuden und an den Sorgen und Nöten anderer Menschen, und dass unser Glaube in einer frohmachenden Botschaft gegründet ist.

Dann wird unsere Kirche eine einladende Kirche sein. Eine Kirche, die auch offen und einladend ist für alle Menschen, auch für jene, die an ihre Grenzen stoßen und nicht mehr weiter wissen.

Gottes Einladung gilt. Wer sie annimmt, der wird bereit sein, sich verwandeln und erneuern zu lassen auf dem Weg zu einem gelingenden Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

Das Schönste von die­sem Fest liegt wohl noch vor uns, aber wenn wir heute Ja sagen zu Gottes Einladung, dann hat das Fest des Lebens schon begonnen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Je­sus Christus, unserm Herrn. Amen. 

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