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13. Dezember

Magnificat – Der Lobgesang der Maria

3. Advent: Lukasevangelium Kapitel 1,39-56

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oder zum Lesen:

Marias Besuch bei Elisabeth (Mariä Heimsuchung)

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Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda
und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: 
Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!
Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.
Ja, selig ist, die da geglaubt hat! 
Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.

Marias Lobgesang

Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.
Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

Gedanken zu Lukas 1,39-56

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oder zum Lesen:

Gedanken zu Lukas 1,39-56

Zwei schwangere Frauen begrüßen sich: Maria und ihre viel ältere Verwandte Elisabeth.

Ein Funke springt über zwischen beiden. Sie spüren, wie sich das neue, noch fremde Leben in ihnen rührt: Ein Hüpfen ist da, das Gefühl einer tiefen Freude. Und ein stürmischer, ungestümer, überwältigender Gedanke ist es, der plötzlich Leib und Seele durchfährt: Da ist Gott am Werk! Eine Freude, ein Angerührtsein in der Tiefe, ein Gruß des Noch-Ungeborenen, eine Ahnung von etwas ganz anderem, das mich aufrichtet, mich über mich selbst erhebt, mich beflügelt mit der Hoffnung, dass nichts bleiben muss, wie es ist.

Und es ist Maria, die Jüngere, die den Gesang ihres Herzens in leidenschaftliche Töne eines wahrhaft revolutionären Liedes umsetzt: Maria erlebt und preist Gottes Wirken: mächtig, umwälzend, befreiend.

Vom Göttlichen in sich angerührt hat Maria eine große Vision: sie bleibt nicht bei sich und ihrem Kind, (so wie manche Familien nur um sich und ihren eigenen Nachwuchs kreisen), sondern Maria sieht weit darüber hinaus: eine Umwertung aller Werte, eine barmherzige Lebensordnung, in der Gottes Barmherzigkeit Gestalt annimmt: seine Solidarität mit Erniedrigten, Gedemütigten, Hungernden.

Dietrich Bonhoeffer hat im Dezember 1933, als er Pfarrer in London war über das Magnificat, den Lobgesang der Maria gepredigt. Seine Worte führen hin zu uns und unserer eigenen Haltung angesichts der Worte der Maria:

Dieses Lied der Maria ist das älteste Adventslied. Es ist zugleich das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen worden ist. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern dargestellt sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht.

Nichts von den süßen, wehmütigen Tönen mancher unserer Weihnachtslieder, sondern ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht. Es sind die Töne der prophetischen Frauen aus dem Alten Testament, Deborah, Judith, Miriam, die hier im Munde der Maria lebendig werden ... Angesichts dieses Adventsliedes gibt es für uns einiges zu bereinigen. Wir müssen uns klar werden, wie wir über hoch oder niedrig im menschlichen Leben denken wollen.  

Ja, Bonhoeffer hat klar das Besondere dieses Gebets der Maria herausgestellt. Da betet eine gerade erst schwanger gewordene Frau nicht für sich und ihr Kind, nicht um das für sie so Naheliegende, sondern ihr Blick öffnet sich weit über ihr eigenes Schicksal hinaus auf die ganze Gesellschaft, in der sie lebt: auf die Gewaltigen und die Niedrigen, auf die Hungrigen und die Reichen. Obwohl sie allen Grund hätte, sich mit dem Wunderbaren zu befassen, das Gott an ihr und in ihr getan hat, bleibt sie dabei nicht stehen. An erster Stelle steht für sie der Lobpreis Gottes:

Meine Seele erhebt den Herrn = Magnificat anima mea dominum.

Martin Luther bewundert an Maria, dass es ihr zunächst um Gott geht. Maria sieht nicht nur das, was Gott an ihr tut, sondern blickt auf Gott um Gottes willen. Sie verzweckt Gott nicht für ihre eigenen Anliegen. Sie funktionalisiert ihn nicht für ihre eigenen Wünsche, sondern ihr geht es um Gottes Handeln in dieser Welt, um die Barmherzigkeit, die Gott in diese Welt tragen will.

In welcher Weise sind wir religiöse Menschen? Ist Gott für uns nur Gott, wenn er unsere Bedürfnisse stillt und für uns da ist? Sehen wir Gott nur in Beziehung auf uns? Nehmen wir Gott nur als Erfüllungsgehilfen unserer Wünsche und Anliegen wahr - und wenn das einmal anders aussieht, wollen wir mit ihm nichts mehr zu tun haben und hadern mit ihm? Oder geht es uns um Gott als Gott, um seiner selbst willen? Sind wir bereit, Gott wirklich Gott zu sein lassen? Wenn wir so auf ihn schauen könnten wie Maria in ihrem Lobgesang, dann könnte das unseren Blick verändern, wir müssten nicht mehr nur um uns selbst kreisen, sondern bekämen – wie Maria – auch die Barmherzigkeit in den Blick, die Gott an anderen Menschen tut und durch uns tun will.

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