Dreikönigsgemeinde

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Dreikönigsgemeinde zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

Was mache ich, wenn...
Menümobile menu

15. Dezember

Adventsgedicht: Schlamassel

Foto:

Schlamassel – kennen Sie diesen aus der jiddischen Sprache stammenden Begriff? Massel heißt Glück. Mit dem vorangesetzten schla (sche lo = was nicht) heißt es wörtlich übersetzt: „was nicht Glück“, also Unglück.

In dem ganzen Corona-Schlamassel ist mir ein Adventsgedicht hilfreich, das nicht die bezaubernden Seiten der Adventszeit herausstellt, sondern den ganzen Jammer beim Namen nennt, der mich manchmal wie eine Lawine zu überrollen droht, der mir bis zum Hals steht, in dem ich fast versinke. Ja, „seelisch versunken“ – was für treffende Worte für das Gefühl, down zu sein, heruntergezogen von den nicht sinken wollenden Infektionszahlen, von den am Boden liegenden Aktivitäten, von den Begegnungen, die abgesagt werden müssen, von der Einsamkeit!

Der Dichter findet sein Lebensfühl in einem Psalmwort aus Psalm 130:

„Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir“

– und macht aus der Tiefe in dichterischer Freiheit eine „Untiefe“.

Aus der Tiefe oder Untiefe zu Gott rufend, erfährt er eine Gebetserhörung: nicht eine starke Hand, nicht ein rettendes Seil, sondern etwas ganz Kleines, Unscheinbares, Schwaches schenkt ihm Halt. Dezent, fast versteckt, schnell zu übersehen der Hinweis auf das Neugeborene in der Krippe, auf das Kind auf Heu und auf Stroh.

Auch wenn ich es kaum glauben kann, dass es Sinn macht, sich an einen Strohhalm zu klammern: der Strohhalm, den mir dieser Säugling entgegenstreckt, der hält.

Der Strohhalm aus der Futterkrippe im Stall von Bethlehem, die Weihnachtsbotschaft von Gottes Kommen in meinen Schlamassel hinein, lässt mich Halt finden in allem, was in diesen sonderbaren Pandemiezeiten das Leben schwer macht.

Andreas Knapp, ein katholischer Priester, hat seine Laufbahn als promovierter Studentenpfarrer, dann Leiter des Freiburger Priesterseminars aufgegeben und hat sich der Ordensgemeinschaft der „Kleinen Brüder vom Evangelium“ angeschlossen, wohnt mit einigen Mitbrüdern in einer Wohnung in einem Leipziger Plattenbau, deren Zentrum ein als Kapelle eingerichtetes Zimmer ist, und geht – gestärkt vom gemeinsamen Gebet – als Hilfsarbeiter an einem Fließband arbeiten, um in der Nachfolge Jesu denen ein „kleiner Bruder“ zu sein, die am Rand der Gesellschaft stehen.

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top