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20. Dezember

4. Advent: Lukasevangelium Kapitel 1,57-80

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oder zum Lesen:

Die Geburt Johannes des Täufers

CC0, via Wikimedia Commons

Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn.
Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan atte, und freuten sich mit ihr.
Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen.
Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen.
Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte.
Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle.
Und sogleich wurde sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott.
Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas.
Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen:
Was wird aus diesem Kindlein werden? 
Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

Der Lobgesang des Zacharias

Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David -
wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -,
dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen,
und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund,
an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,
dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht
unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest
und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,
durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.

Gedanken zu Lukas 1,57-80

zum Hören
oder zum Lesen:

Direkt vor der Geburtsgeschichte Jesu wird die Geburtsgeschichte Johannes des Täufers erzählt. Die Nachbarn und Verwandten, die sich mit Elisabeth über diese Geburt freuten, kamen – wie es üblich war – am achten Tag zu dem Neugeborenen, um ihn durch die Beschneidung in den Bund mit Gott aufzunehmen. 

Als sie selbstverständlich davon ausgingen, er würde den Namen seines Vaters erhalten, widersprach Elisabeth. Aber die Besucher – typisch! möchte ich einfügen – glaubten nicht der Mutter, sondern winkten nach dem Vater, der sich offenbar, weil er sich am Gespräch ja nicht beteiligen konnte, im Hintergrund hielt. 

Auf einer kleinen Tafel bestätigte Zacharias schriftlich den Namen, den er seiner Frau nach der Begegnung mit dem Engel vermutlich schon einmal aufgeschrieben hatte: Johannes. 

In diesem Moment war sein neunmonatiges Verstummen beendet und das erste, was nach diesem langen unfreiwilligen Schweigen aus seinem Mund kam, war das Lob Gottes. 

Der Lobgesang des Zacharias wird in der Kirche nach seinem ersten Wort benannt, natürlich auf lateinisch: Benedictus (= gelobt, gepriesen, gesegnet). 

So wie Maria in ihrem Lobgesang, dem Magnificat, bleibt auch Zacharias nicht bei seiner eigenen Familie, sondern weitet seinen Blick auf Gottes Handeln an seinem ganzen Volk. 

Er kennt die Not seines Volkes, die Unterdrückung unter der römischen Besatzung, die Bedrohung durch Feindschaft und Hass.  

Am Anfang und am Ende seines Lobgesangs spricht er aus, was ihn tröstet und ermutigt: dass Gott sein Volk nicht allein lässt, sondern besucht. 

Besuch ist ein wichtiger Begriff in der Adventszeit, in der Vorbereitung auf den Advent, die Ankunft, den Besuch Gottes bei uns. 

In den Besuchsbeschränkungen inmitten der Pandemie, in unseren Fragen, wer wen an Weihnachten besuchen darf oder nicht, ob wir am Heiligen Abend eine Christvesper besuchen oder lieber nicht, hilft mir die Zusage, dass – ganz gleich, wie wir über unsere Besuche entscheiden – auf jeden Fall gilt, dass Gott uns besucht. Uns, die wir

sitzen in Finsternis und Schatten des Todes. 

Mitten in seinen Lobgesang schließt Zacharias einen Willkommenssegen an seinen acht Tage alten Sohn ein und nennt die Lebensaufgabe dieses noch winzigen Säuglings: Als Prophet des Höchsten wird er dem, von dessen Geburt der Evangelist Lukas im nächsten Kapitel erzählt, nämlich Jesus, vorangehen und seinen Weg bereiten. 

Sitzend in Finsternis und Schatten des Todes

– in diesen Worten finde ich unsere Pandemiesituation treffend beschrieben: Lockdown heißt ja: wir sitzen, wir sitzen fest. Was uns erwartet, liegt noch im Finstern, und die erschreckenden täglichen Todeszahlen sind ja nicht einfach Zahlen, sondern jede/r für sich ein individueller, geliebter Mensch. 

Um uns aus Angst und Depression herauszureißen, können Lieder und Gebete wie das Benedictus helfen. Zacharias hält die Erinnerung an Momente der Befreiung lebendig und singt zugleich von dem, was noch nicht ist. Das ist eine bewährte Form des Widerstands gegen alles, was uns ängstigt und bedrückt. 

Ein solches Lied der Hoffnung kann uns, die wir festsitzen, aufrichten, ja befreien, kann unsere Vorfreude wecken auf die Ankunft unseres Besuchs, nämlich

das aufgehende Licht aus der Höhe. 

In dieser Zuversicht dürfen wir Advent feiern. Die Vorfreude darauf, dass Gott selbst uns besuchen will in unserer derzeitigen Misere, kann uns helfen, uns nicht zu verkriechen, sondern aufzustehen und uns auf den Weg zu machen ihm entgegen.

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