Die Berggemeinde muss also eine so prägende Erfahrung gewesen sein, dass mehr als ein Jahrzehnt noch lange nicht reichte, um sich von diesem Namen zu verabschieden. Und mehr und mehr verstand ich, welch starke, verlässliche und beeindruckende Gemeinschaft das gewesen sein muss um Gemeindezentrum, Bergkirche und Kindergarten herum – die Berggemeinde eben.
Als Tochtergemeinde der Dreikönigsgemeinde war sie vor 70 Jahren, am 1. April 1956, gegründet worden und einer der drei Pfarrer der Dreikönigsgemeinde, Fritz Creter, übernahm die nun selbstständige Gemeinde.
Die Gottesdienste der neugegründeten Berggemeinde wurden zunächst in der Friedhofskapelle des Südfriedhofs gefeiert. Am 16. Juni 1957 wurde der Grundstein für das Gemeindezentrum gelegt, das schon am 24. August 1958 eingeweiht werden konnte. So konnte Pfarrer Creter die Gottesdienste aus der Friedhofskapelle in einen lichtdurchfluteten neuen Kirchsaal im Sachsenhäuser Landwehrweg verlegen.
Und im Frühjahr 1959 wurde dort mit 24 Jungen und 20 Mädchen die erste Konfirmation der Berggemeinde gefeiert (s. Abb. rechts).
Fünf Jahre später, am 24. Mai 1964, wurde der Grundstein der Bergkirche gelegt, der rechts neben dem Eingang zu sehen ist. Am 21. August 1966 wurde die Bergkirche feierlich eingeweiht und bald darauf wurde eine Förster- und Nikolaus-Orgel eingebaut, die nach einigen Jahren mit 24 Registern ausgebaut wurde und den Namen „Helmut-Walcha-Orgel“ erhielt.
Pfarrer Creter hatte bei der Gründung der Berggemeinde gleich die Organistin Annegret Kummer, die Assistentin bei Helmut Walcha gewesen war, mitgenommen auf den Berg. Dazu hatte Elisabeth Bernatzky geschrieben: „Von Anfang an war Frau Kummer da! Noch ehe Kirche und Pfarrhaus standen, noch bevor die Glocken und die Orgel erklangen, hat der Chor unter Frau Kummers Leitung gesungen.“ Der Bergchor, zahlreiche Kinderchöre und Musikgruppen, das Krippenspiel und originelle musikalische Aufführungen bei den Sommerfesten haben sicher stark zum Zusammenhalt der Berggemeinde beigetragen.
Als Pfarrer Fritz Creter zwei Jahr nach der Einweihung der Bergkirche in den Ruhestand ging, trat Pfarrer Rudolf Maares am 1. September 1968 seinen Dienst in der Berggemeinde an. Er hatte neben der Theologie auch Kunst studiert, ebenso wie seine Frau, und die beiden brachten mit der Hinwendung zur Kunst einen für viele Menschen sehr interessanten Schwerpunkt in die Berggemeinde. Die damals in ein „Studio“ verwandelte Tageskapelle und auch das von Kindern gestaltete Weihnachtsbild sind Zeugnis dafür.
Durch den Umzug der Gottesdienste aus dem Kirchsaal in die Kirche konnte das Gemeindezentrum durch Einziehen einer Zwischendecke umgebaut werden: Im Erdgeschoss Räume für einen Kindergarten, im Obergeschoss ein Gemeindesaal und weitere Gemeinderäume.
Nach 22-jährigem Einsatz für die Berggemeinde ging Pfarrer Maares in den Ruhestand. Am zweiten Advent 1990 hielt Pfarrer Thomas Sinning seinen ersten Gottesdienst in der Bergkirche. (Im Jubiläumsheft von 1996 steht natürlich: „in unserer Berggemeinde.“) Der längst verstorbene Karl Ernst Plümer, Kirchenvorstandsvorsitzender der Berggemeinde, fand für Thomas Sinning die treffenden Worte: „Die Frische und Offenheit des jungen Pfarrers fand bald die Zuneigung der Gemeinde, eine Fröhlichkeit, die aus seinem Glauben gespeist wird. Auch als in den 90er Jahren der Gegenwind für die Kirche immer stärker blies, machte seine Verkündigung Mut und Hoffnung.“
Auf dem liebevoll gestalteten Jubiläumsheft von 1996 steht: 40 Jahre Berggemeinde – 30 Jahre Bergkirche. Wenn wir in diesem Jahr 2026 das 60-jährige Jubiläum der Bergkirche feiern, könnten wir nun nicht einfach jeweils 30 Jahre ergänzen: 70 Jahre Berggemeinde – 60 Jahre Bergkirche.
Denn nach gut 40 Jahren, am 1. Januar 1997, ist die Berggemeinde mit der Dreikönigsgemeinde und der Südgemeinde zur neuen Dreikönigsgemeinde fusioniert worden. „Berggemeinde“ ist damit zwar als Name formal nicht mehr ganz richtig (auch wenn er sich bis heute immer noch hält), aber die Berggemeinde ist damit ja ganz und gar nicht untergegangen, und sie ist auch nicht einfach in der Dreikönigsgemeinde aufgegangen. Die besondere innere Stärke, das Gemeinschaftserlebnis in den Gottesdiensten und davor und danach, die Einsatzbereitschaft, der Zusammenhalt im Glauben und im Leben und die Liebe zu dieser schlichten, hellen, klaren Bergkirche mit dem am höchsten gelegenen Kirchturm Frankfurts ist auch 30 Jahre nach der Fusion in meinen Augen immer noch das, was die (ehemalige) Berggemeinde in die fusionierte Dreikönigsgemeinde einbringt. Dafür bin ich sehr dankbar und wünsche der Dreikönigsgemeinde von ganzem Herzen, dass diese Stärken der früheren Berggemeinde in ihr auch 30 Jahre nach der Fusion weiterwirken.
Dass wir das 60-jährige Jubiläum der Bergkirche am 6. September 2026 in einem ökumenischen Gottesdienst in der Bergkirche feiern, passt ganz folgerichtig zu der von Anfang an vorbildlichen ökumenischen Zusammenarbeit mit der katholischen Schwestergemeinde St. Wendel.
Ich hoffe, dass wir beim anschließenden ökumenischen Gemeindefest rund um die Bergkirche noch viele Erinnerungen an die letzten 60 Jahre austauschen können, und dass wir aus unserem gemeinsamen Glauben heraus zugleich zuversichtlich in die Zukunft schauen können.
Bereits am Samstag, 22. August, 12 Uhr feiern wir ein
Turmgebet für die Stadt zum 60-jährigen Jubiläum der Bergkirche
Auf jedem der 7 Balkone des Turms denken wir an die Menschen, denen die Bergkirche viel bedeutet, und beten für die, die seit ihrer Einweihung am 21. August 1966 in der Bergkirche getauft, konfirmiert, getraut wurden oder deren Trauerfeier in der Bergkirche stattfand.