„Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden.“ (Phil. 1,23)
– Die Entstehungssituation des Briefes, aus dem der Monatsspruch für Juli entstammt, scheint zunächst gar nicht in die sommerliche Welt unserer bunten Urlaubskarten zu passen. Paulinischer Gefängnisgruß und moderne Urlaubskarte treffen sich aber darin, dass sie beide Ausdruck eines Herzensanliegens darstellen. In beiden geht es um mehr als nur um die Mitteilung des eigenen Befindens. Wer eine Karte oder einen Brief schreibt, der will Distanz überwinden und sucht die Nähe:„Ich habe euch in meinem Herzen“ (Phil 1,7)
, schreibt Paulus. Auch wenn die räumliche Entfernung zwischen seinem Haftort (vermutlich in Rom) und den Brüdern und Schwestern in Philippi groß ist, vermag sie die enge Bindung zwischen dem Apostel und seiner Gemeinde nicht aufzuheben. Das Band, was beide über Grenzen hinweg vereint, ist die Liebe. So wundert es nicht, dass Paulus für die Gemeinde bittet:„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“ (Phil 1,9)
Im Gebet hält Paulus Kontakt zu seinen Brüdern und Schwestern in Philippi. Er weiß, dass Ursprung und Ziel aller Liebe bei Gott zu suchen sind. An ihn wendet er sich mit seinen Gedanken für die Gläubigen in Philippi. In Gottes Liebe weiß er die Gemeinde von Philippi und sich gleichermaßen aufgehoben. Im Gebet hält Paulus, erfüllt von Dankbarkeit und Zuversicht, Kontakt zu den Seinen. Seine Bitte um eine immer reicher werdende Liebe unter den Christen in Philippi ist ihm eine Herzenssache. Die wachsende Liebe, um die Paulus bittet, meint nicht allein ein Gefühl. Sie wird immer wieder konkret im Tun und Handeln jedes Einzelnen, etwa in der Zuwendung zum Nächsten oder im Miteinander in der Gemeinde. Paulus übt sich selbst in dieser Liebe, während er seine Zeilen schreibt. Sein Brief ist zeichenhafte Zuwendung. Die Liebe ist auf Erkenntnis und Erfahrung angewiesen und gewinnt erst durch sie an Profil. Sie hört nicht auf zu wachsen und reicher zu werden, wo sie in Gottes unendlicher Liebe gründet. Paulus kann in diesem Sommer diejenigen inspirieren, die überlegen, was sie jenseits von Wetter und Hotel aus dem Urlaub berichten können. Er zeigt, wie wir Kontakt im Gebet halten können. Und auch die, die nicht verreisen, finden in seinen Worten einen guten Anlass, mal wieder eine Karte zuschreiben, Erfahrung und Erkenntnis miteinander zu teilen. Auf dass unsere Liebe immer reicher werde! Sven Behnke
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