Predigt zu 1. Korinther 3, 5-17

veröffentlicht 23.08.2026 von RGW, Dreikönigsgemeinde Frankfurt am Main

Predigt der Kirchenpräsidentin im Gottesdienst der Dreikönigskirche am 23.08.2026 von der göttlichen Baukunst

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext gibt uns einen Einblick in göttliche Baukunst. Es geht um Ackerbau und Hausbau. Diese göttliche Baukunst finden Sie in keinem Architekturlexikon und in keinem Handbuch über Landwirtschaft. Es geht um einen besonderen Acker und besondere Gebäude. Und um ein Bauen, an dem sich ganz außergewöhnliche Personen beteiligen. 

Ich lese aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther aus dem 3. Kapitel die Verse 5-17:

Was ist nun Apollos? Was ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Drei Bilder werden hier gezeichnet: Ackerbau, Hausbau und ein Tempel. 

Betrachten wir zunächst das Bild vom Hausbau. Paulus ist – so heißt es im Griechischen – der Architekt dieses Hauses. Paulus hat das Fundament gelegt, also die soliden Grundmauern des Gebäudes, auf denen alles Weitere aufgebaut wird. 
Die Aufgabe des Paulus war, dieses Fundament zu legen. Und gleichzeitig – sagt er – ist das Fundament bereits gelegt.  Diese Spannung: Paulus legt etwas, was bereits gelegt ist, entspricht der grundsätzlichen Spannung, die unser Handeln als Christinnen und Christen bestimmt. 


Da ist das eine: Wir sollen als Christinnen und Christen etwas tun für unsere Welt. Wir dürfen diese Welt nicht sich selbst überlassen, dürfen nicht die Hände in den Schoß legen und einfach nur zuschauen, was so geschieht. Wir haben Verantwortung für unsere Welt. 
Und da ist das andere: Wir arbeiten dabei mit Gott zusammen, sind Gottes Mitarbeitende. Im Griechischen ist hier von Synergie zwischen Gott und Mensch die Rede. Menschen sind keine Marionetten Gottes. Unsere Ideen, unser Einsatz, unser Handeln für diese Welt sind für Gott wichtig. 

Paulus beschreibt das schön im ersten Bild, im Bild vom Ackerbau: Er, Paulus, hat gepflanzt. Apollos, ein anderer Apostel, hat die Pflanzung begossen. Wenn Sie einen Balkon oder Garten haben, werden Sie wissen, warum das Begießen gleich nach dem Pflanzen so wichtig ist. Wer nach der Pflanzung die Pflanze gut wässert, sorgt dafür, dass sich keine Luftblasen zwischen den Wurzeln verstecken und das Gepflanzte gut anwachsen kann. So kann die Pflanze genug Nährstoffe aufnehmen. 
Paulus meint hier die Pflanze des Glaubens. Für sie hat er in der Gemeinde in Korinth das Fundament gelegt. Glaube an Gott, Vertrauen zu Jesus Christus entsteht ja nicht einfach so. Es sind Menschen nötig, die pflanzen und begießen. Es sind Menschen nötig, die vom christlichen Glauben erzählen, die zu anderen darüber reden, was ihnen der Glaube bedeutet oder wie sie durch den Glauben an Gott manche Schwierigkeiten im Leben bewältigt haben. In unserer säkularisierten Zeit sind dafür alle Christinnen und Christen wichtig. Dass ich als Pfarrerin über meinen Glauben spreche und sage, wieso es mir wichtig ist, mit Gott durchs Leben zu gehen, das ist vermutlich wenig überraschend. Ich werde sozusagen dafür bezahlt. 

Aber wenn Sie in Ihrem Alltag darüber sprechen, warum Ihnen der Glaube wichtig ist: das ist überraschend. Das bringt andere zum Nachdenken, da bin ich sicher. 
Wichtig sind außerdem Menschen, die andere in Geduld begleiten, mit ihnen über ihre Zweifel sprechen, auch über die eigenen, und ihre Fragen hören. Und einfach für sie da sind.
Aber – und das ist das Dritte – ob die Pflanze dann wirklich gedeiht, das liegt nicht in menschlicher Hand. Das liegt nach Paulus an Gott, der das Gedeihen gibt. Ob dann bei einem Menschen auch Glauben entsteht, das haben wir nicht in der Hand. Das schenkt Gott. Gott gibt das Gedeihen, nicht wir. 

Das gilt für den Glauben. Das gilt aber auch für vieles andere, was wir tun und wofür wir uns einsetzen. Ich mache meine Arbeit, spreche vom Evangelium, von Gottes Menschenfreundlichkeit in Jesus Christus, und erzähle, was mir der christliche Glaube bedeutet und wieso die Kirche so wichtig ist. Und weil Gott sich in Jesus Christus allen Menschen zugewandt hat, also für Gott alle Menschen gleich wertvoll sind, deshalb kämpfe ich auch für unsere Menschenwürde-Demokratie. Und dies mache ich fast an jedem Tag, mit viel Kraft und Leidenschaft. Und viele andere tun dies auch. 

Aber ich frage mich manchmal, ob reicht, was ich tue. Es gibt Abende, an denen ich mich quäle, ob ich an diesem Tag genug getan habe. Habe ich genug dafür getan, Menschen zu zeigen, was wir als Evangelische Kirche alles machen? Habe ich sie zum Glauben an Gott ermutigt? Habe ich das Richtige gesagt, um der Gefährdung unserer Demokratie entgegenzuwirken? 
Paulus erinnert mich daran: „Gott gibt das Gedeihen“. Für mich ist das eine entlastende und eine stärkende Botschaft. 
Sie befreit mich von dem Druck, dass ich alles schaffen muss und keinen Fehler machen darf. Ob das, was ich den ganzen Tag über tue, auch wirksam ist, liegt letztlich nicht in meiner Hand. Wenn mein Tun wirksam ist, dann ist das Gnade, Geschenk Gottes. 
Mich stärkt es aber auch, wenn ich, am Morgen eines Tages mit herausfordernden Terminen oder am Ende eines Tages, an dem ich vielen Menschen begegnet bin, für einen Moment die Hände in den Schoß lege, nun aber eben zum Beten. Dann wächst in mir das Vertrauen, dass Gott als Schöpfer und Erhalter dieser Welt meinen Bemühungen Wachstum und Gedeihen gibt. 

Diese Spannung von menschlichem und göttlichem Tun kommt auch im zweiten Bild vom Hausbau und von Paulus als Architekt vor. Hier ist die Stabilität des Gebäudes im Blick. Das Gebäude ist die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden wie wir hier heute Morgen. 
Gerade in diesen schwierigen Zeiten liegt in dieser Gemeinschaft der Christenmenschen eine ungeheure Kraft: Da sind auch noch andere, die sich an den christlichen Gott halten, in ihrem Tun und Lassen auf Jesus Christus vertrauen und denen christliche Nächstenliebe wichtig ist. 

Wir setzen uns für diese Kirche ein, reformieren, transformieren, strukturieren. Und machen uns manchmal auch Sorgen um ihre Zukunft. Doch das Entscheidende, die Grundlage, auf der alles aufgebaut wird, ist bereits da: Jesus Christus. In Zeiten, in denen wir uns fragen, ob es gut mit unserer Kirche weitergehen kann, will Jesus Christus genauso das Fundament unseres Tuns sein wie eh und je. Die Kirche gründet seit Jahrtausenden im Evangelium, der frohen Botschaft von Jesus Christus. 
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die EKHN, hat sich für ihren Veränderungsprozess ekhn2030 eine Reihe von Strategischen Zielen gegeben. Das erste Ziel lautet: „Die EKHN lebt eine geistliche, glaubwürdige, menschennahe und sichtbare Gestalt des Evangeliums und orientiert sich immer wieder neu am Evangelium.“ Mit diesem Ziel macht die EKHN deutlich, dass sie eine „Gestalt des Evangeliums“ sein will, ein Bau Gottes, in dem das Evangelium von Jesus Christus erfahren werden kann, in innovativen Ideen wie besonderen Segensangeboten, in Gottesdiensten und Festen, im Füreinander-Dasein, in stärkender Gemeinschaft, in Hilfe in der Not. Und die EKHN macht mit diesem Ziel klar, dass sie sich selbst immer wieder neu am Evangelium von Jesus Christus ausrichten will. 
In Jesus Christus, diesem jüdischen Menschen, der vor 2000 Jahren lebte, hat sich Gott allen Menschen freundlich zugewandt. In Jesu Tod am Kreuz, in seiner Schwäche und seinem Leiden, hat sich nach Paulus Gottes Kraft und Weisheit gezeigt. In Jesus Christus wurde unsere Gottferne überwunden. In Jesu Auferstehung hat Gott die Mächte des Todes entmachtet. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott da ist und uns nicht fallen lässt. Egal, was geschieht: Jesus Christus bleibt der Grund und Halt unseres Lebens.  
Dieses Fundament ist für die Kirche bereits gegeben. Aber es muss auch darauf gebaut werden. Paulus beobachtet, dass bei diesem Weiterbauen unterschiedliche Materialien verwendet werden. Manche bauen mit leicht brennbaren Materialien, mit Holz, Heu und Stroh. Und wenn dann ein Feuer kommt, bricht der Bau zusammen. Das ist ein drastisches Bild angesichts der Waldbrände der letzten Wochen. Wir haben in den letzten Wochen schreckliche Bilder davon gesehen, wie schnell Holz und vertrocknetes Gras zu brennen beginnen und welche Verwüstungen ein solches Feuer anrichten kann. 

Was wollte Paulus mit dem Bild vom Feuer sagen? Paulus wollte deutlich machen: Es kommt nicht darauf an, in Aktivismus möglichst wahllos einfach zu bauen, Hauptsache, ich habe mit irgendetwas gebaut. Manches eignet sich besser, manches schlechter zum Aufbau der Kirche. Das Bild vom Feuer sagt: Nicht alles, was wir tun, kann vor Gott bestehen. Manches ist nicht feuerfest. Manches, was ich tue, ist wie Holz, Heu und Stroh. Ich werde es umsonst getan haben. 
Anderes ist wie Gold, Silber und Edelsteine. Diese Materialien verbrennen nicht, aber sie schmelzen. Schmutz und unedle Metalle, die sie verunreinigt haben, werden durchs Feuer ausgeschieden. Das heißt - ohne Bild gesprochen -: Manches, was ich getan habe, ist nicht so gut, wie ich dachte. 

Und dann gibt es die Baumaterialien, die Paulus gar nicht erwähnt, die im Feuer aber weder brennen noch schmelzen: Steine, Ziegel, Lehm und Beton. Im Feuer haben sie Bestand. 
Mal hat das, was ich tue, vor Gott Bestand; es entspricht Gottes Liebe zu allen Menschen in Jesus Christus. Mal ist mein Tun eine Gemengelange aus Dingen, die Gottes Liebe entsprechen und die ihr nicht entsprechen. Und mal widerspricht das, was ich tue, Gottes Liebe zu allen Menschen. Deshalb ist es so wichtig, sich immer wieder am Evangelium von Gottes Liebe zu allen Menschen auszurichten.

Das Evangelium gilt aber auch mir: Mein Wert für Gott hängt nicht an dem, was ich tue. Gottes Zuneigung zu mir, Gottes Gnade gilt unabhängig von meiner Leistung und meinem Erfolg. 
Am Ende des Predigttextes steht ein drittes Bild. Es beschreibt die Vision, auf die hin gebaut wird. Die Gemeinde als Gottes Tempel. Darauf haben schon die Baumaterialien Gold, Silber und Edelsteine hingedeutet. Sie galten seit alters her als Farben für das Licht und deshalb als Farben Gottes. In diesem Tempel wohnt Gott selbst als Heiliger Geist. Gottes Geist durchweht die ganze Welt. Aber in der Gemeinde lebt Gottes Geist dauerhaft. Gottes Geist wirkt in der Gemeinde und verändert Menschen so, dass sie mehr und mehr Gott entsprechen. Gottes Geist ist sozusagen der Innenarchitekt der Kirche. 
Die göttliche Baukunst entspringt Gottes Dreieinigkeit: Als schöpferischer Vater gibt Gott das Gedeihen für unser Pflanzen und Begießen. Als Jesus Christus der Sohn ist Gott die Grundlage für unseren Gemeindeaufbau. Und in der dritten Person des Heiligen Geistes wohnt Gott in unserer Mitte. 

Ist es nicht entlastend und stärkend, bei allem eigenen Tun und Arbeiten für unsere Welt und unsere Kirche dies zu wissen? Der göttliche Vater sorgt fürs Gedeihen. Jesus Christus ist das Fundament, auf dem wir aufbauen. Und im Heiligen Geist ist Gott bei uns zu Hause.