Dreikönigsgemeinde

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Dreikönigsgemeinde zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

Was mache ich, wenn...
Menümobile menu

Predigt gehalten von Thomas Sinning über Numeri 21,4-9 zu Judika am 18.3.2018 in der Bergkirche

Liebe Gemeinde!

Ein leichtes Halskratzen, ein Hustenreiz, oder andere Beschwerden - gerne nimmt man da ein homöopathisches Arzneimittel, ob Kügelchen oder Tropfen. Auch wenn es unter Medizinern umstritten ist, schwören viele Menschen darauf: Es hilft!

Das Grundprinzip dabei ist, dass das Schlimme durch etwas ebenfalls Schlimmes überwunden wird. Das heißt, Krankheiten werden durch solche Gifte bekämpft, die in höherer Dosierung eben solche oder ähnliche Krankheiten hervorrufen.

Ein ganz ähnlicher Vorgang wird hier in der biblischen Geschichte geschildert: als die Israeliten in der Wüste von giftigen Schlangen bedroht werden, da ist es eine bronzene Schlange, die Mose an einem Pfahl aufrichtet, die den geplagten Menschen Heilung und Rettung gibt.

Nun geht es hier aber nicht einfach um ein Heilungsprinzip. Es geht vielmehr darum, wie Gott Menschen hilft, die an den Folgen ihrer eigenen Schuld leiden. Schuld muss überwunden werden, Böses muss beseitigt werden, aber das gelingt nur, wenn es auch als Schuld und als Böses benannt und bewusst gemacht wird. Verdrängen hilft nicht. Daher ist der Blick auf die bronzene Schlange notwendig.

Was war damals geschehen? Die Israeliten waren erschöpft auf ihrem langen Weg durch die Wüste. Sie hatten vergessen, wie groß die Bedrängnis war, aus der Gott sie befreit hatte, als sie Sklaven in Ägypten gewesen waren. Sie hatten es als selbstverständlich hingenommen, dass sie täglich das Manna fanden, das ihnen das Überleben in der Wüste sichert. Sie hatten vergessen, dass sie allein von Gottes Güte leben, und waren darüber undankbar geworden.

Undankbarkeit aber ist eine Wurzel für die Sünde. Denn wer undankbar ist, der tut so, also könne er ohne Gott leben. Der will unabhängig sein von Gott. Der will nicht mehr Empfangender der Gaben Gottes sein, sondern selber die letzte Instanz seines Lebens sein. Der meint, es besser zu wissen als Gott. Der will im Grunde nichts anderes als selber Gott sein.

Und das ist genau das, was in der Geschichte vom Sündenfall die Schlange verspricht: „Ihr werdet sein wie Gott!“ Wie Gott sein wollen, das ist die Ursünde des Menschen, die ihn Herrschaft über andere ausüben und seine Macht missbrauchen und Unrecht und Gewalt hervorbringen lässt.

Undankbarkeit, Hochmut und Gewalt, das sind alles Geschwister, die die Sünde hervorbringt. Immer, wenn ein Mensch es meint, besser zu wissen als Gott, dann verlässt er sein Menschsein. Dann will er wie Gott sein, aber tatsächlich  droht er, zum Unmenschen zu werden.

(…)

Schon in der Geschichte vom Sündenfall wird daher dies als das Grundübel benannt, als die Schlange sagt: „Ihr werdet sein wie Gott!“

Deshalb ist es kein Zufall, wenn hier von Schlangen erzählt wird, die Gott den Israeliten schickt. Diese Schlangen erinnern sie an die Geschichte vom Sündenfall und zeigen ihnen damit, was ihre eigentliche Schuld ist: sie haben sich durch ihre Undankbarkeit von Gott losgesagt und wollen selber ihr eigener Gott sein.

Solange einem dies aber nicht bewusst ist, solange die Israeliten ihre Undankbarkeit nicht einsehen können, solange leiden sie und gehen daran zugrunde. Erst als sie erkennen: „Wir haben gesündigt,“ da lässt Gott Mose eine Schlange aus Bronze machen und auf einen Pfahl aufrichten, damit, wer gebissen ist und zu ihr aufsieht, leben soll.

Der Blick auf die Schlange zeigt ihnen die Wahrheit über sich selbst. Denn der Anblick dieser aufgerichteten Schlange führt sie zu der Erkenntnis, dass es ihre eigene Schuld gewesen ist, undankbar ohne Gott leben zu wollen; erst als sie an die Geschichte vom Sündenfall erinnert werden und ihre Schuld einsehen, da werden sie von ihr befreit. Da können sie neu Vertrauen zu Gott fassen, und da werden sie gerettet.

Warum aber hören wir diese Geschichte in der Passionszeit? Nun, an einer Stelle im Neuen Testament wird diese Begebenheit von der ehernen Schlange erwähnt; da heißt es im Johannesevangelium:

„Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss des Menschen Sohn erhöht werden, auf dass allen, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“(Joh.3,14f)

Hier wird Jesu Sterben am Kreuz mit dem Aufrichten der bronzenen Schlange in Beziehung gesetzt.

Hier wie da ist es so, dass Menschen auf etwas Schreckliches blicken, dass ihnen ihre Schuld verdeutlicht, und dass sie dadurch befreit und gerettet werden von dem, was zum Tode führt.

Denn auch das Kreuz Jesu ist ein schreckliches Zeichen, erinnert es doch an die brutalste Hinrichtungsmethode im römischen Reich, an die Qualen unzähliger Menschen, an Unrecht und Gewalt, wie Jesus es mit seinem unschuldigen Tod erfahren musste, und wie es bis heute an der Tagesordnung unserer Geschichte sind. Wir brauchen nur an die Konflikte in Syrien und im Jemen zu denken, doch es gibt ja noch viel mehr in den täglichen Nachrichten, was uns die vor Augen führt, zu welchem Unrecht und welcher Brutalität Menschen fähig sind.

So ist das Kreuz ein schreckliches Zeichen. Es gibt darum immer wieder auch Stimmen in der Kirche, die sagen: Ich habe mit dem Kreuz Schwierigkeiten, denn ich kann ein solches Symbol der Brutalität nicht als Zeichen meines Glaubens annehmen.

Aber gerade darum geht es ja, liebe Gemeinde, dass wir das aushalten und nicht verdrängen: dass das Schreckliche, das zum Tode hinführende, an das uns das Kreuz Jesu erinnert, dass das auch ein Teil unseres Menschseins ist. Es zeigt uns, dass wir, dass jeder Mensch Teil hat an der Sünde, die in Undankbarkeit und Selbstüberschätzung, in Egoismus und Gleichgültigkeit schon genug Schaden anrichtet, und die in Unrecht und Gewalt nur ihre äußerste Steigerung erfährt.

Aber das Kreuz zeigt uns auch: Wir brauchen einen, der diese Schuld erträgt, um sie zu überwinden. Denn es ist die Schuld auch meines eigenen Lebens, die Jesus auf sich nimmt. Wir brauchen einen, der sich nicht zum Gott erhebt, sondern den Weg zu den Geringen und Niedergedrückten geht. Wir brauchen einen, der an die Stelle von Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit die Vergebung setzt. Wir brauchen Jesus, der am Kreuz für unsere Sünden stirbt.

Und das Wunderbare ist: Jesus tut das für uns, damit wir befreit von der Macht der Sünde und des Todes leben können. Wir müssen nichts dazu tun. Wir müssen uns die Vergebung nicht verdienen. Wir brauchen nur auf Jesus zu schauen und ihm zu glauben.

„Alle, die an ihn glauben, werden das ewige Leben haben,“

heißt es im Johannesevangelium.

Wer an ihn glaubt, wer also sein Vertrauen auf Jesus Christus setzt, der ist fern davon, sich selbst zum Gott zu machen. Der wird sich vielmehr freuen und dankbar sein, dass er mit allem, was ihn belastet, zu Christus kommen kann.

Diese Freude, diese Dankbarkeit, diese innige Beziehung zu Christus kommt in vielen unserer Passionslieder zum Ausdruck, die uns manchmal nicht so leicht zugänglich sind. Es lohnt sich aber, sie in der Passionszeit mit Bewusstsein zu singen. Wie auch das Lied von Sebald Heyden, das wir vorhin gesungen haben:

EG 76,2:

So lasst uns nun ihm dankbar sein,
dass er für uns litt solche Pein,
nach seinem Willen leben.
(Auch lasst uns sein der Sünde feind,weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach tun streben,
die Lieb erzeigen jedermann,die Christus hat an uns getan
mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht das recht,
wie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
tu dich davor bewahren!        

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top