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Worte der Verheißung als Licht in der Nacht

Predigt gehalten von Pfarrer Andreas Klein zur Christmette am 24.12.2018 in der Dreikönigskirche.

"Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit."
1. Tim. 3,16

Liebe Gemeinde,

eine Entwarnung vorweg für alle, die mit Angst im Halbdunkel die Sinuskurve vorn auf dem Liedblatt entdeckt haben und sich an Mathematikstunden erinnert haben, bei denen es kaum etwas zu lachen gab und über die Kurven nie diskutiert wurde!

Warum aber das Bild? Vielleicht weil es bei dem Wort, das heute zu bedenken ist, in die Höhe und in die Tiefe geht – ganz wie bei Höhen und Tiefen der Kurven.

Wenn ich das gerade mal fragen darf – hat Weihnachten für Sie eher mit Höhe oder mit Tiefe zu tun? Aus der Weihnachtsgeschichte kann man beides herauslesen:

Da sind die Engel, die singen, Ehre sei Gott in der Höhe! Und genau dieses Hochgefühl haben wir vielleicht auch an Weihnachten: „jauchzet, frohlocket, aufpreiset die Tage“; Klang der Pauken die Trompeten hell aufspielen, Kinderaugen strahlen und Lichterglanz! Dann ist Weihnachten das Fest in der Höhe.

Aber dann singen die Engel doch auch: und Frieden auf Erden! Und es gilt, was Gerhard Terstegen dichtet:

Sehet dies Wunder,
wie tief sich der Höchste hier beuget;
sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget!
Gott wird ein Kind,
träget und hebet die Sünd;
alles anbetet und schweiget.

Liebe Freude, wie tief muss das Tiefe denn sein, wenn einer die Schuld der ganzen Welt träget und hebet? Wer tragen und haben will muss ja immer noch darunter kommen.

Da mag die richtige Antwort auf die Frage, ob hoch oder tief auf der Hand liegen! Es geht nach unten, in die Tiefe in die Menschwerdung. Es geht doch gerade gegen die Hybris, gegen den Höhenflug, gegen das Überhebliche das Tiefe, das Demütige, das Ehrliche zu nennen! Wenn einer hoch hinaus will, kommt Hochmut vor dem Fall. Ist einfach Tiefe die richtige Antwort?

So einfach ist es nicht.

Das Besondere an dem Predigttext, der uns für heute gegeben ist, dass er der Christus-Geschichte erzählt als einen mehrfachen Weg zwischen Höhe und Tiefe, zwischen Unten und Oben. Die Bibelübersetzung hat die Worte deshalb aus den kurzen Sätzen mit den Partizipien als Geschichte erzählt:

Eins steht ohne jeden Zweifel fest: Groß und einzigartig ist das Geheimnis unseres Glaubens: In die Welt kam Christus als ein Mensch, und der Geist Gottes bestätigte seine Würde. Er wurde gesehen von den Engeln und gepredigt den Völkern der Erde. In aller Welt glaubt man an ihn, und er wurde aufgenommen in Gottes Herrlichkeit.

Und in der Kurzform geht es so:

Er ist offenbart im Fleisch,
gerechtfertigt im Geist,
erschienen den Engeln,
gepredigt den Heiden,
geglaubt in der Welt,
aufgenommen in die Herrlichkeit.

Und das Besondere daran, ist wie knapp und kunstvoll der Weg erzählt wird, der unten beginnt, mit zwei Stationen in die Höhe geht, wieder nach unten geht – ich habe deshalb auf dem Liedblatt in eine Sinus-Kurve eingezeichnet nach unten und oben, wieder nach unten und wieder nach oben führt.

In diesem alten Hymnus wird der Christusweg erzählt, nicht als einfacher Weg der Inkarnation vom Himmel zur Erde, auch nicht nur so wie es das Glaubensbekenntnis tut, mit dem Doppel: hinabgefahren in das Reich des Todes und aufgefahren in den Himmel, sondern eben mit dieser mehrfachen Bewegung, das Wellental zweimal durchschreitend, aus gutem Grund!

Immer dort wo die Kurve genommen werden muss, da ist der kritische Punkt. Da ist die Frage, ob die Wende gelingt. Denn dort ist das Risiko am höchsten. Wir schreiten den Weg ab.

Offenbart im Fleisch.

Fleisch klingt so unzivilisiert, nach Blut, das klingt roh, so unmenschlich. Das klingt nach dem, was wir hinter Kleidern und Schmuck verbergen, das klingt nach fleischlichen Begierden und Verlangen.

Genau dort wird Gott sichtbar! In dieser Existenz riskiert Gott das Gott-Sein! Er wird das Kind in der Krippe. Andere verspotten ich, was er als der Sohn des Zimmermanns schon zu sagen habe! Seine Königskrone ist aus Dornen ist und der Spott der Soldaten – hilf dir doch selbst, wenn du Gott bist – wird sein höchstes Loblied! Gott kommt in das Leben und wird verwechselbar. Es ist nicht ausgemacht! Wenn einer ganz nach unten geht, schafft er es wieder nach oben?

Hier ist die erste Kurve, das Risiko.

Deshalb heißt es:

Gerechtfertigt im Geist

Ist der Weg nach unten ein Irrweg? Der Himmel gibt darauf Antwort. Christus wird gerechtfertigt, gerecht gesprochen im Geist. Nicht, weil er ungerecht war – es hat mit der Frage zu tun, ob der Himmel den Weg des Sohnes in die Tiefe anerkennt. Bleibt das nun der Sohn oder ist gefallen und verloren in der Tiefe?

Bei der Taufe von Jesus wird die Antwort gegeben. Das ist mein geliebter Sohn, an dem habe ich Wohlgefallen – und die Taube als Zeichen von Gottes Geist erscheint.

Erschienen den Engeln

Und auch die Engel wundern sich über den Weg des Sohnes und erkennen und ihn dann und singen das Lob. Sie tun es und lassen die Welt erkennen, dass dieses Kind der König, dieser Mann am Kreuz „wahrhaftig Gottes Sohn“ ist. Sie hatten es ja schon den Hirten verraten. „Heute ist euch der Heiland geboren.“ Und so führt die Botschaft wiederum nach unten:

Gepredigt den Nationen

Und jetzt wird es wirklich spannend, denn nun geht es noch einmal nach unten. Der Christusweg, der ganz nach unten führt und im Himmel beglaubigt wird, der spiegelt sich noch einmal in der Art und Weise, wie von Jesus erzählt wird und wie an ihn geglaubt wird.

Gott kommt selbst in die Tiefe, damit Menschen ihn fassen, ihm vertrauen können. Dabei riskiert er alles – die große Verwechslung: Der König ein Kind, der Heiland, ein Prediger aus der Provinz, der Christus, der Messias einer, der am Kreuz hängt.

Und nun macht sich auch das Wort selbst auf den Weg um von diesem Christus zu erzählen. Und es geht dem Wort wie dem, von dem es erzählt: Den einen ist es ein Ärgernis. Gott wird Mensch – was für ein Märchen. Den anderen eine Dummheit. Auferstanden von den Toten.

Und nur wenige fassen Vertrauen. Wie soll der Glaube an einen gescheiterten Prediger, dessen Jüngerinnen und Jünger sagen, dass er lebe, die Welt retten? Und die Versuchung der Kirche tritt zutage. Man müsste mit mehr Licht und Macht – so wie es die Engel im Himmel tun – so blendend und klar und überzeugend – aber das geht gar nicht.

Das ist eine kleine Zwischenfrage wert. Was hat mich denn glauben lassen in meinem Leben? Was hat mich neugierig gemacht, was hat mich aufgerüttelt oder auch getröstet. Vielleicht gab es diesen Moment, wo alle Fragen beantwortet waren und die Liebe Gottes war im Leben – vielleicht war noch vieles offen, aber es war auzuhalten. Was macht für dich den Glauben glaubhaft?

Geglaubt in der Welt

Dieser Christus kann nur angenommen werden, wenn er geglaubt wird. Auch hier das große Risiko. Er wird nicht prunkvoll bewiesen, sondern von ihm wird nur erzählt und hoffentlich geglaubt. Er wird nicht machtvoll demonstriert – dort wo das im Mittelalter, so dass die Gläubigen nur unter ihm beugen können. Er wird nur geglaubt. An Christus kann man nur – glauben.

Er droht uns verloren zu gehen, wenn wir die Insignien seiner Würde als goldenes Kreuz um den Hals hängen. Für Christus gilt ja auch, dass wir uns kein Bild von ihm machen, dass wir anbeten – er will ja selbst bei uns sein – alle Tage. An ihn können wir nur glauben.

Und so kommt der Christusweg zum Ziel:
aufgenommen in die Herrlichkeit.

Dieser Hymnus, überliefert im 1. Timotheusbrief, zeigt uns den Christusweg als Weg der riskanten Wendungen. Nein, das steht nicht fest, dass das gelingt; es ist nicht klar, dass da einer sein kann, der Gottheit und Menschheit verbindet,

  • der vom Himmel in die Tiefe geht und dabei seine Größe bewahrt.
  • Und der von der Tiefe in die Höhe geht und dabei die Liebe bewahrt.

Und genauso fragt Weihnachten uns, ob wir mitgehen auf diesem Weg:

Gehst du mit, wenn einer dich ruft: Komm herunter und hilf mir, wenn du dich klein machen musst und helfen? Oder bist bereit, dein Scheitern zuzugeben, wenn du in der Tiefe bist und zu sagen: Aus tiefer Not rufe ich zu dir. Und was ist wenn dich einer bittet, an deiner Stelle von dem zu erzählen, was du glaubst?

Und auf der anderen Seite dort in der Höhe – hast du dich schon gesehen als Himmelskind? Als engelsgleich? Als aufgerufen, mitzusingen, wenn alles singt! Als ein Mensch, der an Würde nicht zu überbieten ist, für den Christus ja gekommen ist. Nein, das ist kein Hochmut, das ist Freude der Geliebten!

Bleib nicht in der ausgewogenen Mitte – geh mit Christus mit in die Tiefe und in die Höhe. Er ist da, wo Erbarmen ist, Schuld und Versagen – und er ist da, wo die die Engel singen: Ehre sei Gott und Frieden auf Erden.

Amen.

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1. Jesaja 9,1:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

2. Jesaja 60,2:
Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

3. Jesaja 8,23:
Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind.

4. Jesaja 60,1:
Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt
und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!

5. Micha 5,1:
Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei.

6. Sacharja 2,14:
Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

7. Jesaja 7,14:
Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

8. Jesaja 9,5+6:
Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter;
und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende
auf dem Thron Davids und in seinem Königreich,
dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit  von nun an bis in Ewigkeit.

9. Sacharja 9,9:
Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel,
auf einem Füllen der Eselin.

10. Lukas 1,30+31:
Und der Engel sprach zu Maria: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.

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